Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- 26 (sequence 6)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. 26 lauten: „Jeder Jude kann durchgehauen werden. § 2. Jeder Zeitungsjude kann herausgeschmissen werden. § 3. Jeder besonders freche Jude kann aufgehängt werden?' In Magdeburg, -wo Graf Pückler im „Hofjäger" gegen das „nichtswürdige Jndenpack" eiferte, schlug er wiever den alten Pietistenton an und ermahnte, „die Waffen des Glaubens und des Gebetes zu ergreifen; Gott werde Kraft und Ausdauer bis zum Siege geben!" Daß der ehemalige Amtsvorsteber von Klein-Tschirne für sein Berliner Publikum Knüppel und Stuhlbeine geeigneter als. die „Waffen des Gebets" hielt, für die Bauern seines Amtsbezirks bekanntlich sogar die Dreschflegel, zeigt doch, daß der gräfliche Hetzredner ganz gut mit den lokalen Verhältnissen zu rechnen versteht. — $err Pastor Krösell in Kloxin soll.die Absicht hegen, durch seine „wiffenschaftlichen Vorträge", mit welchen er bisher die Landgemeinden um Pyritz für die „Vereinigung zur Aufklärung des Konitzer Mordes" zu begeistern suchte, dem Erfinder der „Dreschflegel'Kapuzinaden" Konkurrenz zu machen. Es ist aber, zweifelhaft, ob dies die Vorgesetzte Behörde mit der Würde des geistlichen Standes vereinbar finden wird. Solche Rückst iten sind freilich für den Verleger der Staatsbürger-Zeitung, Herrn Wilhelm Bruhn, selbstverständlich nicht vorhanden. Derselbe konnte deshalb unbehindert vor einer zahlreichen Zuhörerschaft in Schneidemühl und Czarnikau über „Deutschthum und Judenthum mit besonderer Berücksichtigung des Konitzer Mordes und des Sternberg-Prozeffes" sprechen und gegen die „Macht des jüdischen Geldes" eifern, da dort kaum Jemand weiß, wie gern Bruhn dieses Geld für die jüdischen Inserate vou BaerSohn und Gebrüder Herrenfeld nimmt und sich dafür durch Empfehlungen dankbar erweist, die er sonst als „Judenreklame" zu brandmarken pflegt! Der in Schneidemühl abgehaltene antisemitische Parteitag für Westpreußen, Pommern und Posen beschloß die Gründung eines neuen „Antisemitischen Volksbundes" unter Leitung Bruhn's. Ob ihm in Schnerdemühl die dankbare Familie des Fleijchermeisters Hoffmann zu dem lange vergeblich erstrebten Reichstags- Mandat verhelfen wird, bleibt abzuwarten. Bisher war noch kein Wahlkreis nach diesem Kandidaten lüstern, und die amtliche Statistik der in der PeUode.von 1898 bis zum I. Oktober >1899. vollzogenen 30 ReichLstagsxrsatzwahlen hat gezeigt, daß die antisemitischen Stimmen .sich in letzter Zeit keineswegs vermehrt haben. Im Jahre 1898 wurden 35069, bei den-Nachwahlen dagegen nur 18.128 Stimmen, also .kaum die>Hälfte, für die antisemitischen Kandidaten, abgegeben. Günstiger liegen die Dinge für die Antisemiten in Oesterreich, weil dort die Klerikalen der christlich-socialen Partei: War b^i den