Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- 25 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2316602-2316676-2316678--07646-2327198- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Umschau. 25 blick auf die seit der ersten antisemitischen Radauversammlung verflossenen zwanzig Jahre den Leitern der Berliner Bewegung keine Ermuthigung bieten konnte. Wo sind sie hin, die Koryphäen der Bewegung — Dr. E. Henrici, Ruppel, Dr. Bruhns, Förster, Otto Glagan, Wilhelm -Pickenbach, die Ahlwardt, die Schweinhagen, die Plack, die Hammerstein? Was ist aus Stöcker geworden, dem ehedem bejubelten Hofprediger aller Deutschen, was aus dem antisemitischen Blätterwald? „Fallen sah ich Blatt auf Blatt" — — — und wer weiß, wie bald auch die letzten Blätter fallen, die heute noch kümmerlich vegetieren Dank der Blutmord- und Sternberg-Skandale, Dank der Pückler'schen Zwanzigpfennig-Vorstellungen. Nach Ahlwardt Pückler! Aber auch Pückler wird das antisemitische Geschäft nicht vor dem Untergange retten, denn schon beginnt man ihn auch in Antisemitenkreisen als das zu erkennen, was er ist. In dem Blatt Eugen Dührings „Der Personalist und Emancipator" findet sich folgendes Urtheil über den gräflichen Nachfolger« Ahlwardts: „So ein Zwitter von Narretei und Streberei war in sozusagen idealster Ausprägung bisher noch nicht erreicht". Die katholische „Köln. Volkszeitung" schloß ihren Bericht über die antisemitische Jubiläums. Versammlung mit den Worten: „Jetzt ist man beim sogenannten „Dresch"-Grafen Pückler angekommen, der vom „Verbauen" der Juden alles Heil erwartet, iwb dessen Zuhörer wenigstens so vernünftig sind, der Prügclparole keine Folge zu geben. Eine solche Bewegung kann nicht mehr ernst genommen werden. Zwanzig Jahre hat Berlin eine antisemitische Bewegung. Das Judenthum aber ist mächtiger denn je und fühlt sich bei diesem Antisemitismus augenscheinlich ganz wohl". Allzubehaglich fühlt sich das Judenthum bei diesem Antisemitismus fteilich nickt, denn jeder Jude wird bei dem Gedanken mit tiefem Unmut!) erfüllt, daß in einem geordneten Staatswesen derartige Hetzer weder in das Gefängniß noch in eine Heilanstalt wandern. In einer am 14. Dezember in Berlin abgehaltenen Versammlung wollte der Herr Graf wieder „ein Tänzchen wagen": er empfahl den jungen Leuten, eine Bierreise zu machen, jeden Judenbengel „hinauszuführen", und wenn der Wirth Einspruch erhebe, ihn mit hinausnehmen. Ein christlicher Wirth, der dagegen Widerspruch erhob, wurde aus dem Saale befördert. Sollte das Oberverwaltungsgericht seine Enthebung von dem Amte als Amtsvorsteher rückgängig machen, meinte Graf Pückler, so würde . er als Polizeigewaltiger die Bauern seines Amtsbezirks zusammenrufen und dann werde den Juden nicht wohl werden; der § 1 seines Ortsstatuts würde