Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- 24 (sequence 4)
- Language
- German
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«om ueuiioen meicy Entjetzen der Zimmermannschen „Deutschen Wacht" rückhaltslos zu, daß der Antisemitismus schlechte Auswüchse habe. — In einer kürzlich in. Potsdam abgehaltenen Versammlung des Ostmarken- Vereins, an einem sogenannten „Deutschen Abend", kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen dem konservativen Vorsitzenden .der Ortsgruppe, Oberlehrer Grell, und dem antisemitischen Redakteur Böckler - Schöneberg. und in ähnlicher Weise hat sich auch anderwärts. erwiesen, daß der regierungsfreundlich gestimmte Theil der Konservativen ein weiteres Zusammengehen mit den Anhängern der deutschen sozialen Reformpartei für unmöglich hält. Die Letzteren hat es besonders verschnupft, daß in dem von dem Kontreadmiral z. D. M. Plüddemann hcrausgegebenen „Kalender des Deutschen Flottenvereins für 1901" auf S. I6ä Folgendes zu lesen ist: „Daß Sekten in China entstanden sind, die Langmefser, später Boxer genannt, welche die Vertreibung der Fremden auf ihre Fahne schreiben, kann nicht besonders verwundern, haben doch andere hochentwickelte Kulturstaaten in der antisemitischen Bewegung analoge Vorgänge." Die „Deutsche Wacht" lud wegen dieser Aeußerung die antisemitischen Mitglieder des „Flotterrvereins" zur Berathunz einer Gegendemonstration ein und begründete dabei die Berechtigung der antisemitischen Bewegung mit einer Wiedergabe des von dein „Kasseler Sonntagsblatt" wieder aufgeftischten Märchens, der Rabbiner I)i*. Wije in Cincinatti habe in seiner Zeitschrift „Deborah" im Interesse der jüdischen Geschäfte zwei Weihnachtsfeste im Jahre gewünscht. Der „Deutschen Wacht" kann es nicht unbekannt sein, daß vr» Wise in einem an die „Hann. Post" gerichteten Schreiben vor sechs Jahren öffentlich erklärt hat, daß in keinem Jahrgange der von ihm herausgegebenen Zeitschrift eine ähnliche Aeußerung zu finden sei. Inzwischen ist Dr. Wise gestorben und kann sich nicht mehr dagegen wehren, daß die ihm verleumderisch nachgesagte Aeußerung wieder dem eisernen Bestand des antisemitischen Lügen-Arsenals eingereiht wird! Eine Partei, die mit solchen befleckten Waffen kämpft, kann keine dauernden Erfolge erringen; ihr Niedergang ist sicher nur zeitweise durch die gewissenlose Ausbeutung des unendlich traurigen Zwischenfalls in Könitz aufgehalten worden. Wären bei den heutigen Führern des Antisemitismus nicht die geschäftlichen Gründe von zwingender Kraft, so würden sie wohl auf die Veranstaltung einer Jubiläums-Versammlung verzichtet haben, die thatsächlich am 17. Dezember in den Berliner Reichshallen abgehalten wckrden ist, obgleich ein Rück-