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Im deutschen Reich · 1901-01-01 · Heft 1 (Januar 1901) · p. 23

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 1 (Januar 1901)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1901-01-01
Page
23 (sequence 3)
Language
German
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Umschau. 26 Lage wie Sic, mein liebes Fräulein, sondern wir müssen noch Schmähungen und Beschimpfung über uns ergehen lassen, die wir, Gott weiß es, nicht verdient haben. Mein liebes Fräulein, verlieren auch Sie nicht das Gottvertrauen! Wenn wir alle Gott den Herrn bitten, daß er der gerechten Sache den Sieg verleihe, so wird er uns nicht verlassen, sondern uns gegen unsere Feinde beschützen, die uns zu verderben trachten. Daß Gott der Herr uns alle, die wir aus ihn hoffen, in seinen gnädigen Schutz nehmen und uns helfen möge, erfleht täglich in heißen Gebeten Frau M. Sanden, geb. Felzer." — Vielleicht sind die Vorgänge welche sich bei dem „Spielhagen-Bankenkrach" absprelen, die Veranlassung, daß die breitesten Volksschichten endlich einmal darüber klar werden, wer sie auszubeuten sucht und wer in den letzten Jahrzehnten durch „legere Cavaliers-Begriffe" einen zersetzenden Einfluß auf das ganze Volksleben ausgeübt hat. Schon jetzt macht sich vielfach die berechtigte Empfindung geltend, daß hiergegen wieder die Donnerstimme der Entrüstung laut werden müßte, der Ausdruck einer Empfindung, die gleichbedeutend mit der Frage wäre: ,,Jft kein Lasker da? ' In einzelnen konservativen Kreisen verschließt man sich nicht mehr der Erkenntniß, daß die Partcisache durch die Bundesgenossenschaft mit den Antisemiten nicht nur in politischer Beziehung, sondern auch in ethischer empfindlich geschädigt worden ist. Die „Evangelische Allianz" gab für ihre Gebttsweche vom 6. bis 13. Januar 190! die Vorschrift aus, dafür zu beten, „daß der Antisemitismus in allen Ländern aufhören möge". Dieser „fromme Wunsch" ist von antisemitischer Seite theils angezweifclt, theils auf „englische" Einflüsse zurückgeführt worden. Die Stöckersche „Deutsche Evangelische Kirchenzeitung" bestätigte die Thatsache, beklagte dieselbe aber und verlangte eine Abänderung, damit nicht in die Allianz ein Mißklang komme. Stöcker schreibt dabei von dem Judenthum: „Es versucht den Volksgeist zu Mammonismus und Kirchenseindschast, es verführt durch Presse und Kunst, durch Geld und Geschenke zum Bösen, es verklagt — vor allem in der Sozialdemokratie die es geschaffen hat — das abgefallene Deutschland und zerstört das christlich germanische Wesen, indem es eine beständige innere Revolution der Geister schürt Der Prozeß Sternberg ist ein sprechendes Symptom dieser Zustände. Wir können nicht genug um gesunden Antisemitismus beten." Indem er auf den „Prozeß Sternberg" hinweift, will Stöcker also in seiner Wahrheitsliebe den Glauben erwecken, daß Sternberg, Luppa, Thiel, Sello und Werthauer Juden seien! — Daran erkennen wir den alten Stöcker! Immerhin gab aber selbst sein Blatt zum

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