Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1900)
- Article
- Alphonse Levy [Rezension]
- Date
- 1900-12-01
- Page
- 676 (sequence 6)
- Language
- German
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676 3m deutschen Reich. Buches über die Geschichte der Juden in Sachsen nicht. Alphonse L e v y, der seit Begründung unserer Zeitschrift „Im deutschen Reich" ihr Herausgeber ist, hat in diesem Kampfe seinen Optimismus, seine Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht eingebüßt, und das Bestreben, diese Zuversicht seinen Glaubensgenoffen einzuflößen, hat ihn veranlaßt, die Geschichte der Juden in Sachsen im Zusammenhangs darzustellen. Die sächsischen Juden stehen ihm besonders nahe, weil Sachsen durch mehrere Generationen hindurch die Heimath seiner Vorfahren ist, und er hängt an ihr mit aller Liebe. Das vorliegende Buch ist nicht die erste Behandlung, welche die Geschichte der sächsischen Juden gefunden hat. 1840 erschien die Schrift von Sidori (Isidor Kaim.) Ein Bedürfniß zu einer erneuten Bearbeitung ergab sich schon durch den langen, ereignißreichen Zeitraum, der seitdem verflossen ist, und in dem reichen Material, das inzwischen in genaueren Einzeluntersuchungen und besonders in den Schriften von Emil Lehmann hinzugekommen ist. Für Levy lag die Nothwendigkeit einer Neubearbeitung auch in dem subjektiven und leidenschaftlichen Tone, in dem Sidori's Buch geschrieben ist. Während Sidori selbst noch unter den Leiden seiner Stammesgenoffen geseufzt hatte und darum die Geschichte mit Bitterkeit schrieb, steht Levy der Vergangenheit mit philosophischer Ruhe gegenüber; er sieht in den trüben Schicksalen eine geschichtliche, aus dem Geist der Zeit zu begreifende Nothwendigkeit und begrüßt dankbar jeden Fortschritt, jede Gunst, welche die Juden durch sächsische Fürsten erfahren haben. Es mag dahingestellt bleiben, ob Levy in seinem Bemühen, alle Schroffheiten zu mildern, nicht in das entgegengesetzte Extrem verfallen ist. Es wird begreiflich erscheinen, wenn der Referent sich in diesen Blättern bei der Beurtheilung des Buches Zurückhaltung auferlegt. Jndeffen darf doch anerkannt werden, daß der Verfaffer den reichen, vielseitigen Stoff mit rührigem Fleiß verarbeitet hat. Die Erzählung ist vielleicht zu oft durch die Anführung der Urkunden und Reskripte unterbrochen. Die Darstellung zeigt den Fluß und die Gewandtheit, die unsere Leser an dem Herausgeber unserer Zeitschrift kennen. Vor allem wird es den Religionsvorständen der sächsischen Gemeinden obliegen, für die Verbreitung des Buches Sorge zu tragen. Wie seiner Zeit Ludwig Geiger's Schrift über die Geschichte der Juden in Berlin ein Hausbuch aller ansässigen Berliner jüdischen Familien wurde, so sollten es auch die sächsischen Vorstände sich angelegen sein lassen, die Kenntniß der Geschichte der Juden ihres Landes in ihre engeren Kreise hineinzutragen. Den von Religions¬ und Elementarschulen abgehenden Schülern könnte Levy's Buch mit auf den Weg gegeben werden: „Die genaue Kenntniß der Geschichte