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Im deutschen Reich · 1900-12-01 · Heft 12 (Dezember 1900) · p. 674

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 12 (Dezember 1900)
Article
Alphonse Levy [Rezension]
Date
1900-12-01
Page
674 (sequence 4)
Language
German
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674 3m deutschen Reich. Söhnen und seiner Dienerschaft die Niederlassung in Dresden. Die beiden Familien hatten jedoch ihren Posten mit aller Zähigkeit gegen die wiederholten Angriffe bald der Stände, bald der Handel- und Gewerbetreibenden zu vertheidigen. Lange hielt die Regierung an ihrer Duldsamkeit fest, bis sie endlich 1728 dem Drängen der Stände weichen mußte; Behrend Lehmann erhielt die Anweisung, sein Waarenlager zu räumen. Nach seinem Tode nahm sein Sohn Elias als Vertreter der wenigen ansässigen Juden der Regierung gegenüber eine Vertrauensstellung ein. Während der Wirren des siebenjährigen Krieges, wo eine genaue Kontrole unmöglich war, vermehrte sich die jüdische Bevölkerung in Dresden und Leipzig. In dieser Zeit erfolgte die Begründung der Israelitischen Kranken-Pflege-Gesellschaft und der Beerdigungs-Brüderschaft in Dresden. Diese Errungenschaft hatten sie wohl vornehmlich dem Einfluß des Grafen Brüh! zu danken. Aber nach Beendigung des Krieges erfolgte eine Revision der Verhältnisse der Juden. 1772 erging ein Reskript, wonach ohne besondere Erlaubniß kein Jude in Dresden wohnen durfte. Eine Anzahl ärmerer Leute, die in Dresden ein Asyl gefunden hatten, wurden verwiesen. Die erfreulichen Fortschritte, die am Ende deü 18. Jahrhunderts die Emanzipation der Juden in fast allen Ländern gemacht hatte, gingen an Sachsen spurlos vorüber. In Oesterreich kamen in Folge des Toleranzediktes Josefs II. Gewerbe und Industrie in die Hände der Juden, in Frankreich erhielten die Israeliten die Rechte der Staatsbürger, in Preußen selbst gingen sie, zumal durch die für alle Juden gleichmäßige Gesetzgebung Friedrichs des Großen, befferen Zeiten entgegen. In Sachsen aber achtete man mit Eifersucht darauf, daß sich die Zahl der Juden, die um 1800 etwa 1000 betrug, nicht vermehrte. In Berlin hatte schon Friedrich Wilhelm I. sich an der Weihe einer Synagoge betheiligt, der Dresdener Gemeinde blieb auch jetzt noch ein gemeinsames Gotteshaus versagt. Glücklicherweise wurde das geistige Streben dadurch nicht gehemmt. Die Dresdener Juden gaben sich ein religiöses Haupt in dem Rabbi David Landau aus Polnisch- Liffa, nach deffen Tode übernahm der Gelehrte Dr. Bernhard Beer die Führung der Gemeinde. Die Gründung des Mendelssohns-Vereins im Jahre 1829 sollte die geistige Entwicklung der Israeliten fördern und die unbemittelte Jugend zumal in der Erlernung von Handwerken, Künsten und Wiffenschaften stützen. Beer arbeitete, wie für die innere und äußere Hebung seiner Glaubensgenossen, so auch für die Deröefferung ihrer bürgerlichen Stellung. Seine Bemühungen waren von Erfolg gekrönt, als 1833 die Sächsische Erste Kammer beschloß, die Regierung

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