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Im deutschen Reich · 1900-12-01 · Heft 12 (Dezember 1900) · p. 673

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 12 (Dezember 1900)
Article
Alphonse Levy [Rezension]
Date
1900-12-01
Page
673 (sequence 3)
Language
German
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Bücherschau. 673 fertige Beschuldigung hin der Rohheit des Pöbels überlassen und wiederum Vertrieben: diese Reihe der Schicksale wiederholt sich immer xok*jt von neuem. Die Austreibung der Juden aus Dresden im Jahre 1430 erfolgte unter dem Vorwände, daß sie es mit den Hussiten gehalten hätten. Im Laufe des 15. Jahrhunderts entwickelte sich allmählich die Institution der Hofjuden. In Dresden wie in Leipzig finden wir sie gegen eine festgesetzte Abgabe geduldet. Aermere Juden konnten nur als „Gesinde der Hofjuden" Ausenthaltsrecht in Sachsen erwerben. Das Zeitalter der Erfindungen und der Reformation brachte der Lage der Juden keine Besserung. Die Buchdruckerlunst war ein Mittel, die Schmähungen gegen die Juden wirksamer zu machen. Die Reformation, die von Sachsen ausgegangen war und hier den Glaubenseifer auf's höchste entfacht hatte, verschlimmerte die Stellung der Juden. Die Verirrung eines einzelnen, wie die angebliche Münzfälschung des Juden Ephraim Verpa, der 1502 in Leipzig den Feuertod starb, wurde an seinen Genofien gestraft: in Freiberg, in der Gegend der Erzgruben, durfte kein Jude fürderhin übernachten, und am Tage wurde jeder Jude, der sich dort vorübergehend aufhielt, von einem Polizeibeamten „geleitet", eine Entehrung, die noch bis in das neunzehnte Jahrhundert gedauert hat: und doch giebt es aus der „Kipper- und Wipperzeit" Urkunden genug, in denen christliche Bürger des unsauberen Münzhandels überführt werden. War der bleibende Aufenthalt fortan keinem Bekenner des jüdischen Glaubens mehr gestattet, so suchte man doch aus dem kurzen Aufenthalt der Durchreisenden möglichst große Dortheile zu ziehen. Die im Jahre 1612 erlafienen Bestimmungen über die Meßfremden enthielten immer noch genug der Erschwerungen und Plackereien. Für die Juden in Sachsen beginnt die Neuzeit mit der Erhebung des Katholizismus auf den sächsischen Thron. Während die Stände als Hüter der Landesreligion ihre Aufmerksamkeit verschärften, wurde die Regierung gegen die Niederlassung der Juden milder. Der Kampf der Intoleranz der Stände gegen die Duldsamkeit der Fürsten ist die Signatur der nachfolgenden Periode. Der aus Halberstadt stammende Behrend Lehmann, ein Vorfahr des kürzlich verstorbenen, um das Judenthum hochverdienten Rechtsanwalts EmilLehmann, hatte August dem Starken wichtige Dienste geleistet: er hatte ihm die zur Erlangung der polnischen Krone und zur Krönung in Warschau nöthigen Geldmittel beschafft. Der Schutzbrief, den ihm 1708 der Kurfürst nicht ohne schwere Kämpfe mit den Kabinetssekretären und Ministern ausstellte, gestattete nicht nur Lehrend Lehmann, sondern auch seinem Schwager JonaS Meyer aus Hamburg, seinen

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