Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1900)
- Article
- Die israelitische Kultusgemeinde Nürnberg von ihrem Entstehen bis zur Einweihung ihrer Synagoge [Rezension]
- Date
- 1900-12-01
- Page
- 670 (sequence 4)
- Language
- German
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670 3m deutschen Reich. die Erwerbung und Anlage eines Friedhofes, eine Aufgabe, die unaufschiebbar geworden, nachdem die FürLher die weitere Mitbenutzung ihres Leichenackers den Nürnbergern gekündigt hatten. Die größten Schwierigkeiten aber bereitete der Gemeinde die Herstellung eines ihres numerischen Stärke und ihrer äußeren Geltung würdigen Gotteshauses. Zu diesem Zwecke wandte sich die Administration der Gemeinde an den Magistrat mit der Bitte, ihr das Augustinerkloster oder die Katharinenkirche mieth- oder verkaufsweise zu überlasten, und fügte der daraus bezüglichen Eingabe v. I. 1665 die vom bürgerlichen Selbstbewußtsein diktierte Bemerkung hinzu: „daß die Gemeinde nahezu 1000 Seelen zählt und daher einige Beachtung und Rücksicht für sich in Anspruch nehmen darf, zumal der Aufschwung, welchen die Stadt in dem letzten Jahrzehnt genommen, insbesondere das Wiederemporblühen des Verkehrslebens theilweise der Niederlassung der Israeliten und der Verlegung ihrer Geschäfte nach Nürnberg zuzuschreiben ist." Dieses und ähnliche Gesuche waren aber ebenso erfolglos wie eine Eingabe an die Regierung, ihr den im staatlichen Besitze befindlichen Klaragarten zu verkaufen. Von Staat und Stadt der Kraftentfaltung aus sich selbst heraus überlasten, entschloß sich die Gemeinde zum Erwerbe eines Anwesens des Tanzlehres Kleining, trotzdem dasselbe wegen seiner Wasterlage große Bedenken erregte. Dort, wo einst von einem Erker des Holzschuher'schen und später Harsdörfer'schen Hauses Joh. T e tz e l den Ablaß gepredigt haben soll, im Rücken der Marienkirche, die an Stelle der aimo 1349 zerstörten Synagoge erbaut worden war, dort erhob sich als Wahrzeichen einer neuen Zeit nach 14 Jahren des KämpfenS und Verhandlens dank der beispiellosen Opserwilligkeit der Gemeinde- Mitglieder und der Energie ihrer Organe der der Stadt noch heute zur Zierde gereichende monumentale Prachtbau der neuen Synagoge, welche am 8. Sept. 1874 ihrer Bestimmung übergeben wurde. Die freundliche Theilnahme, welche.die Gesammtbevölkerung Nürnbergs bei dieser Gelegenheit bezeugte, die schwungvollen Begrüßungs¬ und Beglückwünschungsartikel, welche sämmtliche Tagesblätter der Stadt veröffentlichten, legten Zeugniß davon ab, daß es den Israeliten Nürnbergs gelungen war, in verhältnißmäßig kurzer Zeit das anfänglich gegen sie herrschende Vorurtheil zu überwinden und die Sympathie ihrer Mitbürger in hohem Maße zu erwerben. Der durch ihre Leistungen und besonders durch ihre" ungewöhnliche Wohlthätigkeit die Aufmerksamkeit auch der Nichtjuden auf sich lenkenden Gemeinde wurde fortan voy den städtischen wie staatlichen Behörden ein gleichberechtigter Platz neben anderen Glaubensbekenntniffen ein-