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Im deutschen Reich · 1900-12-01 · Heft 12 (Dezember 1900) · p. 671

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 12 (Dezember 1900)
Article
Die israelitische Kultusgemeinde Nürnberg von ihrem Entstehen bis zur Einweihung ihrer Synagoge [Rezension]
Date
1900-12-01
Page
671 (sequence 5)
Language
German
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Bücherschan. 671 geräumt. Mit welchen Empfindungen mochten die Nachkommen deS alten Märtyrervolkes in das von ihnen auf historischem Boden erbaute Gotteshaus den Einzug halten, wenn fie bei dem fich aufdrangenden Vergleich der Verhältnisse zwischen einst und jetzt es bedachten, wie hier neues Leben hervorgeblüht war aus den Ruinen des Alten und aus dem,Schutte der Vergangenheit? Solchen Empfindungen gab damals kein Geringerer Ausdruck als der Bürgermeister Freiherr v. Stromer, der bei dieser Gelegenheit Worte des Hochfinns und Freimuths äußerte, die noch heute und heute erst recht angefichts der mancherlei Anzeichen einer rückläufigen Bewegung lesens- und beherzigenswerth sind: „Es habe ihn — sagte der Bürgermeister — besonders gefreut, bei der Einweihung der Synagoge die Pforten derselben zu öffnen, nachdem vor Jahrhunderten einer seiner Vorfahcen — Ulrich Stromer — die Juden Nürnbergs mit Feuer und Schwert verfolgte. Der Urahn habe im Geiste seiner Zeit gehandelt, wie er, der späte Enkel, im Geiste unserer Zeit. Die Behandlung der sogenannten Judenfrage halte stets gleichen Schritt mit dem Stande der Gesittung und Humanität, bei Nationen wie bei Einzelnen." Die Mauern und Thürme von Alt-Nürnberg werden noch heute von jedem durchreisenden Fremden angestaunt. Sraunenswerther aber ist, daß die Mauern des Geistes, welche einst die Konfessionen getrennt und geschieden, gefallen find. Auch der Thurm des Vorurtheils, mag er noch so hoch sein, wird fallen vor dem Frühlingssturm einer freieren und besieren Zeit. Das beweist die Geschichte der Juden in Nürnberg! A. E. Alphonse Levy, Geschichte der Juden in Sachsen. Berlin, 1900. Verlag von S. Calvary & Co. 114 Seiten. Mark 2,40. Die Geschichte der Juden in den sächsischen Landen läßt sich urkundlich bis in das zehnte Jahrhundert zurückverfolgen. Die ersten Urkunden zeigen die Juden als Vermittler des ElbhandelS. Ihre Lage war erträglich. In Magdeburg hatte der Vogt des Erzbischofs über sie wie über alle anderen Kaufleute die Gerichtsbarkeit, und wie hier, so waren sie in Merseburg, Naumburg, Torgau und Meißen nachweislich vorhanden. Zwar waren sie als Kammerknechte des Kaisers hoch besteuert und erlitten mannigfache Beschränkungen, aber ihrer Handelsthätigkeit wurden keine Schranken auferlegt. Eine Urkunde Heinrichs des Erlauchteaus dem Jahre 1248 rühmt ihnen nach, daß sie durch Geschäftigkeit und Eifer die Bürgerschaft im Handel unterstützt hatten. Dann kamen mit der Schreckenszeit der Kreuzzüge die Ausbrüche

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