Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1900)
- Article
- Die israelitische Kultusgemeinde Nürnberg von ihrem Entstehen bis zur Einweihung ihrer Synagoge [Rezension]
- Date
- 1900-12-01
- Page
- 669 (sequence 3)
- Language
- German
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Bucherschau. 669 standes, der 6 Jahre als Unteroffizier bei einem Reiterregiment in Ansbach gedient hatte und sodann mit der Note „ausgezeichnet" zur Kgl. Gendarmerie nach München versetzt worden war, wo ihm während eines 12jährigen Dienstes nicht weniger als 10 öffentliche Belobungen und 2 Belohnungen zu Theil wurden. Aber es kam noch schlimmer: am 16. Mai 1650 wurdnach vorausgegangenen heftigen Erörterungen im Magistrate mit 9 gegen 8 Stimmen Jos. Kohn als Bürger ausgenommen. Damit war der vierthalbhundertjährige Bann gebrochen: Nürnberg hatte den Juden seine Thore auch zu dauerndem Aufenthalte wieder geöffnet. Die aufblühende Stadt übte eine mächtige Anziehungskraft auch auf die Israeliten aus, und ihr Zuzug steigerte sich von Jahr zu Jahr. Man kann aber nicht behaupten, daß bei den langjährigen Versuchen zur Bildung einer Kultusgemeinde die Behörden ihnen mit offenen Armen entgegengekommen wären, im Gegentheil wurden ihrer Konstituierung die möglichsten Schwierigkeiten in den Weg gelegt. Der erste Gottesdienst, den die ersten 10 Israeliten von Nürnberg 1852 abhielten, wurde behördlich nur unter der Bedingung zugelaffen, „daß mit der Ausübung dieser Andacht kein nach außen dringendes Geräusch verbunden sei". Und dabei finden wir unter den Pionieren "der zukünftigen Großgemeinde solche, die im bürgerlichen Leben Stellung und Geltung sich bereits errungen hatten, Männer wie Dr. Philipp F e u st, den bekannten Redakteur des „Korrespondent von und für Deutschland", und Dr. David M o r g e n st e r n , den ersten Landtagsabgeordneten israelitischer Konfession in Bayern. Obwohl der Mangel einer gemeindlichen Organisation sich den Behörden selbst fühlbar machte, wurde dieselbe längere Zeit dadurch verhindert, daß man die zahlreichere Gruppe von in Nürnberg nicht heimathsberechtigten Israeliten, die man mit dem Ausdruck „Permissionisten" bezeichnet, als nicht ganz zur Gemeinde gehörig betrachtete, und nur der unermüdlichen Energie des vortrefflichen Rabbiners Dr. L ö w i in Fürth, dessen Sprengel die Nürnberger angeschlossen waren, war es zu danken, daß nach langjährigen Verhandlungen und innergemeindlichen Kämpfen in Folge einer Regierungsentschließung vom 28. 1. 1862 die Bildung einer selbstständigen Kultusgemeinde ermöglicht und dadurch das feste Fundament gelegt wurde für den späteren Bau segenbringender Institutionen. Große Aufgaben harrten der neubegründeten Kultusgemeinde. Für die Lebenden und für die Todten mußte gesorgt werden. Nachdem eine Religionsschule als erste und wichtigste Institution bereits in'S Leben gerufen worden war, war das nächste Unternehmen ein Werk der Pietät: 48*