Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1900)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1900-12-01
- Page
- 657 (sequence 3)
- Language
- German
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Vereinsnachrichten. 657 keit! — Dem ergreifenden Vorträge, welcher wiederholt durch begeisterte Zustimmungsrufe unterbrochen wurde, folgte am Schlüsse minutenlanger lebhafter Beifall. Sodann erklärte der V o r s i tz e n d e, es hätten diese älteste Gruppe des Central-Vereins wohl viele bedeutende Redner bereits erbaut, selten aber habe ein Redner so sehr die Herzen der Hörer bewegt wie der eben gehörte, der durch die überzeugende Wahrheit seiner Ausführungen, die Schönheit und Gluth der Sprache dem Abend eine besondere Weihe verliehen habe. Im Namen der ganzen Versammlung, die bereits diesem Gefühl Ausdruck gegeben, sprach er dem Vortragenden nochmals den herzlichsten Dank aus. Nach einer kurzen Pause richtete Herr Casp ar Hartmann an den Vorstand die Bitte, den Vortrag des Herrn Tr. Ackermann drucken und auch in nichtjüdischen Kreisen verbreiten zu lassen. Herr Dr. Ackermann erklärte aber hierauf, daß der Vortrag schon demnächst in einem jüdischen FachblaLL (dem „Israelitischen Familienblatt" in Hamburg) erscheinen werde. Im Namen des Vorstandes sprach hierauf Herr Dr. Wiesenthal den Versammelten Dank für ihr zahlreiches Erscheinen aus, welches auf's neue beweise, daß es dem Central-Verein gelungen sei, den Jndifferentismus in jüdischen Kreisen zu vermindern. Die Gegenwart fordere jeden Juden zu einer Entscheidung aus und lasse Halbheiten länger kaum noch zu. Wer nicht für sein Recht als Jude eintreten wolle, der möge sich lieber taufen lassen. So schmählich viele Uebertritte seien, müsse man doch eine „reinliche Scheidung" als erfreulich betrachten, wenn diese das Judenthum von denen befreie, die es durch Charakterlosigkeit schädigen. Wer aber auf dem Boden dcö Vereins stehe, der zeige den Muth, sich offen zum Judenthum zu bekennen, und darin liege die Besterung und werde der Wille bekundet, für seine freie Ueberzeugung mit Gleichgesinnten zusammenzuarbeiten. Das rasche Anwachsen des Central-Vereins laste einen Aufschwung in dieser Beziehung deutlich erkennen. Der Vortragende habe die Lage in geistvoller Weise gezeichnet, so daß kaum noch etwas hinzuzufügen bleibe. Die Hetzer arbeiteten mit Hochdruck; auf Ahlwardt sei Graf Pückler gefolgt, den selbst ein Stöcker abzuschütteln für nothwendig erachtete. Die ^Staatsbürger-Ztg." begnüge sich nicht mehr damit, gegen die Juden Haß zu schüren; sie verschone auch die Behörden, ja selbst das Staatsoberhaupt nicht mit ihrer giftigen Kritik, wie z. B. anläßlich der Reise des Kaisers nach England und der Versagung des Empfangs des Präsidenten Krüger. Jedes einzelne Vereinsmüglied habe jetzt die Pflicht, die Juden aus ihrer Lethargie aufrütteln zu helfen, denn nur durch emmüthiges Zusammenstehen könne es bester