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Im deutschen Reich · 1900-12-01 · Heft 12 (Dezember 1900) · p. 637

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 12 (Dezember 1900)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1900-12-01
Page
637 (sequence 5)
Language
German
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Umschau. 637 ein, daß das Blut spritzt! Wir müssen schneiden, schneiden, schneiden, bis das - Judenthum herausgeschnitten und beseitigt ist. Es ist ein Kampf auf Tod und Leben. In Könitz haben die Juden einen Mord begangen, und jetzt bestrafen sie Zeugen und betrügen die Richter, um frei ausgehen zu können; wir lasten uns aber alle Betrügereien gefallen, statt den Stock zu nehmen und die Gesellschaft fortzujagen. Die Juden sind unser Unglück, denn sie sind verfluchte Lümmel und müssen deshalb fort. So wie wir 1870 die Franzosen verwalkt haben, so müssen wir auch gegen die Juden verfahren und den frechen Lümmels Hiebe applizieren, wo und wann wir sie treffen." — Diese von frenetischem Jubel der Antisemiten begleiteten rohen Ausfälle, die eine direkte Aufforderung zur Gewaltthätigkeit sind, wurden ruhig zugelasten; nur einmal ermahnte der überwachende Polizeirath in höflichster Form zur Mäßigung. Seine Gastrolle in Dresden schloß der Dreschgraf mit seinem gewöhnlichen Refrain. Er sagte: „Ich kann Ihnen nur rathen: Nehmen Sie einen Knüppel und dreschen Sie los, dreschen Sie acht Tage oder noch länger, dann wird es bester werden." Die Pückler'schen Rohheiten wurden mit lautem Beifallsgejohle von den Reformern begleitet und weder der Vorsitzende, Rechtsanwalt Dr. Häckel, noch der am Vorstandstisch sitzende Abg. Binvewald, noch der Direktor der „Deutschen Wacht", Zimmermann hatten etwas dagegen einzuwenden. In ähnlicher Weise hat Graf Pückler in einer Versammlung in Halle sich geäußert, ohne daß man seinem Treiben Einhalt zu thun versuchte. Seine Kraftleistungen veranlaßten selbst die fromme Zeitschrift „Der Reichsbote" zu rügenden Bemerkungen; sie schrieb: „Wenn Graf Pückler nicht auch in Berlin wiederholt in ähnlicher Weise gesprochen hätte, würde man es nicht glauben, daß in solcher Weise in öffentlichen Versammlungen geredet wird und ohne Anstand geredet werden darf. Man mag das Ueberwuchern des jüdischen Einflustes bekämpfen, so energisch als man will; aber eine solche Sprache, wie sie Graf Pückler führt, übersteigt doch alles, und man kann es nur daraus erklären, daß sie geduldet wird, daß man sie mehr komisch als ernsthaft auffaßt." Gegen das freisprechende Urtheil des Berliner Landgerichts in der Strafsache gegen den Grafen Pückler, ven Redakteur Dr. Bötticher und den Schriftsteller Böckler hat die Staatsanwaltschaft Revision eingelegt. Die öffentliche Meinung, soweit sie nicht unter dem Druck antisemitischer Einflüsse steht, geht allgemein dahin, daß Graf Pückler, wenn er zurechnungsfähig ist, sich nicht ungestraft

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