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Im deutschen Reich · 1900-12-01 · Heft 12 (Dezember 1900) · p. 636

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 12 (Dezember 1900)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1900-12-01
Page
636 (sequence 4)
Language
German
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636 3>n deutschen Reich. -auch nicht wieder herzustellen, nachdem der Pfarrer Krösel den Herrn aufgefordert hatte, den Saal zu verlassen. Als der in dieser Weise exmittierte christliche Herr nach einiger Zeit vor dem Versammlungslokal vorbeifuhr, hatte sich der größte Theil der Versammlungsbesucher auf der Straße postiert und empfing das Gespann mit Gejohle und S t e i n w ü r f e n; ein Stein traf den Herrn an der linken Schulter. Der Herr Pfarrer unterläßt zwar nicht, in seinen Vorträgen darauf hinzuweisen, daß die Leute sich von Gewaltthätigkeiten fernhalten mögen; die Ausschreitungen, die sich die Theilnehmer an der Beelitzer Versammlung zu schulden kommen ließen, liefern jedoch einen hinreichenden Beweis dafür, wie gefährlichen Wirkungen diese „wissenschaftlichen" Ausführungen des Herrn Pfarrers auf eine wenig kritisch veranlagte Zuhörerschaft in Wirklichkeit ausüben. Die ruhige Duldung einer solchen Auffrischung mittelalterlichen Aberglaubens von so autoritativer Seite kann schließlich weit größeres Unheil erzeugen, als die selbst von dem judenfeindlichen Hofprediger Stöcker scharf gerügten „Dreschflegelreden" des Grafen Pückler, weil dieser wenigstens von sehr Vielen nicht ernst genommen wird. Der ehemalige Amtsvorsteher von Klein- Ts ch i r n e ist aber offenbar dadurch, daß ihn die Gerichte in Glogau und Berlin „nicht ernst" genommen haben, zu der Annahme verleitet worden, daß er sich in der Wahl seiner „blumenreichen" Nohheitsausbrüche keinerlei Beschränkung mehr aufzuerlegen brauche. In der Versammlung des Dresdener deutsch-sozialen Neformvereins überraschte er die Anwesenden durch die Mittheilung, daß sich die „krummnasigen und krummbeinigen Judenlümmel" in Dresden so vermehren, daß die Stadt in kurzer Zeit „ein schändlicher Judentempel" sein würde. Um ein Anwachsen der Judengefahr zu verhindern, müßten alle Deutschen treu zu ihren Fürsten stehen, so würden sie eine Macht bilden, durch die man in die Lage kommen würde, das Judenthum zu vernichten und zu zerschmettern, daß alle auf der Strecke liegen. „Warum," so hörte man weiter vom Dreschgrafen, „verdient der Geschäftsmann nichts? Warum klagt der Bauer? Weil wir dem elenden Judenpack freien Lauf lassen und nicht dazwischen hauen, daß die Fetzen fliegen. Wir müssen die Kerle packen mit eiserner Faust, daß sie bleiches Entsetzen packt. Nehmen Sie einen Knüppel, einen Dreschflegel oder eineMistgabel und dann frisch drauf los, juchheisassa! Deutsches Volk! Du bist krank, aber wir müssen helfen. Wir müssen die Juden zur Ader lassen. Heraus mit dem spitzen Messer, stechen wir hin-

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