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Im deutschen Reich · 1900-12-01 · Heft 12 (Dezember 1900) · p. 635

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 12 (Dezember 1900)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1900-12-01
Page
635 (sequence 3)
Language
German
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Umschau. 635 kommissaren überlasten konnten und welche deren Aufgaben nicht unwesentlich erschwert hat. Daß der Staatsanwalt Settegast seine Versetzung nach Limburg der Konkurrenz der unberufenen „freiwilligen" Konitzer Staatsanwälte zu danken hat, wie die „Köln. Ztg." annimmt, ist freilich nicht erweislich. Sein Leidensgefährte ist der Direktor des Konitzer Gymnasiums, Profestor Dr. Thomaszewski, welcher sich kürzlich nach einer eingehenden Revision seitens des Schulraths Kallmann veranlaßt gesehen hat, bei dem Provinzial-Schulkollegium um einen längeren Urlaub nachzusuchen und nach Ablauf destelben die Leitung der Anstalt nicht fortzuführen gedenkt. Das lobende Zeugniß, welches er dem ermordeten Ernst Winter ertheilt hat, und die Ehrungen, die er als Direktor demselben bei dem pomphaften Vcgräbniß zu Theil werden ließ, trotzdem die Beziehungen drS unglücklichen Jünglings zu der „Symanowski" und anderen wahrscheinlich für ihn verhängnißvoll gewordenen Bekanntschaften dem Leiter des Konitzer Gymnasiums nicht unbekannt sein konnten, dürften ihm manchen Verdruß zugezogen haben. — Um so größeres Aussehen erregt es, daß neuerdings Pastor Krösel aus Kloxin in der neuen privaten Nebenuntersuchungs - Kommission, die sich. jetzt „Verein zur Aufklärung des Konitzer Mordes" nennt, eine leitende Stellung einnimmt. Dieser Geistliche benutzt seine Wahrnehmungen während der in Könitz verhandelten Prozesse dazu, um in den verschiedensten Landgemeinden in Schulgebäuden, die ihm seltsamer Weise von den Lokalinspekteren zur Verfügung gestellt werden, aufreizende Vorträge über „Ritualmord im allgemeinen und den Konitzer Mord im besonderen" zu halten. Wie dem „Berl. Tagebl." mitgetheilt wird, hat er sich während seiner „Konitzer Studien" von seinem Küster im Amte vertreten lasten, der Sonntags die Predigten ablas. Seit jener Zeit stellt der Kloxiner Pfarrer anderwärts in seinen zahlreich besuchten Vorträgen die Konitzer Verhandlungen theilwcise unrichtig dar, sucht durch seine offenbar nur den Rohling'schen Schmähschriften entnommenen „Talmud-Studien" und in Erörterungen über das angebliche Vorkommen von Ritualmorden die Hörerschaft auf's tiefste zu erregen und veranlaßt sie schließlich, für den Konitzer Untersuchungsverein Geldopfer zu bringen. Am 6. Dezember hielt Pastor Krösel seinen Ritualmord-Vortrag in Beelitz in einem Saale ab, der von Männern, Frauen und kaum 14- bis 15jährigen Kindern dicht gefüllt war. Als wahrend der Versammlung ein anwesender christlicher Herr sich einige Notizen machte, stiegen Viele auf Tische und Bänke und schrien: Juden raus! Die Ruhe war 46

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