Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 11 (November 1900)
- Article
- Konitz
- Date
- 1900-11-01
- Page
- 599 (sequence 4)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 599 Die Geschworenen würden hoffentlich die ihnen vorgelegten Schuldfragen bejahen. — Ter Oberstaatsanwalt Lantz führte in seinem Plaidoyer Folgendes aus: Bei den Verhandlungen ist wiederholt von einem Mord aus rituellen Gründen gesprochen worden; es ist dies bekanntlich ein Thema, welches im Prozeß zu Tanten eingehend behandelt wurde. Ebenso bekannt ist, daß in den jüdischen Neligionslehren kein Wort über den Ritualmord steht; auch Fürstbischof Ko pp theilt diese Ueberzeugung der gelehrten Welt. Für die anfängliche Annahme, daß fremde Juden die That verübt haben könnten, ließ stch kein Beweis erbringen. Freilich gab es in Könitz jüdische Paffanten, die für die That Härten in Betracht kommen können, aber obgleich alle Spuren auf das Genaueste verfolgt worden sind, giebt es gar keinen Anhalt dafür, daß die Familie Lewy mit irgend jemand von diesen Leuten in Verkehr getreten ist. — Der Oberstaatsanwalt ging alsdann die Bekundungen einzelner Zeugen durch. Wenn Rosa. Symanowski, die schon während ihrer Schulzeit auf Abwege gerathen ist, erzählte, daß man ihr Blut habe abzapsen wollen, könne man hierauf unmöglich etwas geben. Die Vorgänge im Laden der Familie Meyer müffen gleichfalls als unwahr erscheinen, da sie zu drei verschiedenen Zeiten stattgefunden haben sollen, und diese Familie wahrlich keine Veranlaffung hatte, sich mit dem Blut des 18 jährigen Gymnasiasten zu besudeln. Wenn man alles nachprüft, so wird man finden, daß man den Versuch als mißglückt erachten muß, die hiesigen Juden mit einem Ritualmord in Verbindung. zu bringen. Gegen die Familie Lewy insbesondere liegt nicht das Geringste vor. Nicht das geringste Belastende konnte gegen diese Personen bewiesen werden. Ernst Winter ist spätestens um 7 Uhr gestorben; nicht bis dahin nur haben aber alle Mitglieder der Familie Lewy ihr Alibi nachgewiesen, sondern auch über 7 Uhr hinaus. Auch wahrend der.Nacht ist von sämmtlichen Hausbewohnern und von den Nachbarn nichts Verdächtiges wahrgenommen worden. Nicht der Schimmer eines Beweises hat sich erbringen lassen, daß Winter im Lewy'schen Keller getödtet worden ist. Wenn trotzdem die Familie Lewy in den Verdacht des Mordes gekommen, scheint das nicht nur an der Oertlichkeit deS Lewy'schen Grundstückes zu liegen, sondern vor allem zurückzuführen auf das Gefasel des Zeugen Printz, des „dummen Alex". Hierdurch hat sich die Bevölkerung beeinfluffen laffen. Der Oder-