Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 11 (November 1900)
- Article
- Berlin
- Date
- 1900-11-01
- Page
- 595 (sequence 3)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 595 sie von uns und unserer Kultur haben. Unserem „Humanitätsdusel" allein verdanken die Tietz, Wertheim, Jandorf und Genossen ihre Geschäfte. Da können sie nun auch ruhig ein klein wenig zu unseren Lasten beitragen." — Kommentar überflüssig! Ueber den von der „Kreuz.-Ztg." und der „Post" abgedruckten Artikel, in welchem anläßlich des „Sternberg-Prozesses" über den „zersetzenden Einfluß des Judenthums" gejammert wurde, schreibt die „Vosi. Ztg.": „Die „Konserv. Korresp." scheint der allerdings vielfach verbreiteten Meinung zu sein, Sternberg sei Jude. Inzwischen ist im Gerichtssaale wiederholt betont worden, daß Sternberg nie Jude gewesen ist. Er stammt auch nicht aus einer jüdischen, sondern einer christlichen Familie. Der Polizeidirektor v. Meerscheidt- Hülleffem hat vor Gericht erklärt, daß er Sternberg zuerst im Hause seines Schwiegervaters kennen gelernt habe, der Bezirkskommandeur an einem Ort war, wo Herr v. Hüllefsem amtliche Aufträge auszuführen hatte. Eine Reihe nächster Anverwandter des Herrn oder der Frau Sternberg gehöre der Armee als Offiziere an. Wie unter diesen Umstanden dem Schutzmann Stierstädter von anderen Schutzleuten — allerdings nicht mit voller Bestimmtheit — nachgesagt werden konnte, er habe von dem „Juden" Sternberg gesprochen, ist dem Vorsitzenden des Gerichtshofs befremdlich erschienen; noch befremdlicher darf erscheinen, daß ein Blatt, das im Namen der konservativen Parteileitung spricht, unter Hinweis auf das- „Milieu", in dem sich Herr Sternberg bewegte (und Herr v. Hüllessem hat versichert, daß er bei ihm Personen aus den besten Gesellschaftskreisen getroffen, daß es aber bei Sternberg keineswegs üppig oder schwelgerisch zugegangen, sondern nur Bier oder Moselwein gegeben habe), von dem „zersetzenden Einfluß des Judenthums" sprechen kann. Alle, die dem Prozeß Sternberg beiwohnen oder auch nur die Berichte aufmerksam verfolgen, werden für diese Leistung der konservativen Parteileitung nur ein Lächeln oder ein Achselzucken haben." Die „Post" erwidert hierauf, daß Sternberg's Vorfahren Juden gewesen seien, daß die Raffeverschiedenheiten durch die Taufe nicht aufgehoben würden, und die „Eigenthümlichkeiten des Judenthums" erst nach Generationen verschwänden. Diesem „Raffe-Antisemitismus" gegenüber erinnert die „Berl. Montags-Ztg." daran, daß der Begründer der „Post" Dr. Strousberg war. und daß die „Post" für die freikonservative Partei hauptsächlich durch die Geldmittel des Abgeordneten und späteren StaatsministerS Dr. Friedenthal gewonnen wurde. — Wir sehen darin nur ein neues Beispiel für die unehrliche Kampfesart der Judengegner.