Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 11 (November 1900)
- Article
- Berlin
- Date
- 1900-11-01
- Page
- 594 (sequence 2)
- Language
- German
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694 3tn deutschen Reich. räthe Goldschmidt und Jacobson als Vertreter der Anwaltskammer, des Berliner Anwaltsvereins und der Rechtsanwaltschaft am Landgericht I eine kunstvoll ausgestattete Glückwunsch-Adresse. Der Mitbegründer der Berliner Gruppe W. des Central-Vereins, Dr. med. MaxHirsch, wurde am 9. November in seiner Heimathsstadt Dresden bestattet. Der im Alter von nur 35 Jahren Verstorbene, einer der ersten deutschen Nervenärzte, welcher die Hypnose und Suggestion zu praktischen Heilzwecken verwandte und seine diesbezüglichen Erfahrungen in einem Lehrbuche niederlegte, erkrankte selbst an einem Nervenleiden, dem er nunmehr erlegen ist. Der so früh seinem Berufe Entrissene' war auch ein ausgezeichneter Musiker, der sowohl als ausübender Künstler, wie auch musikschriftstellerisch gewirkt hat. Der Sache des Central-Vereins widmete der so früh dahingeschiedene vielseitig begabte Mann eine rege Sympathie. Justizrath Dr. Edmund Friedemann richtet im „Berliner Tageblatt" ein offenes Schreiben an den Chef-Redakteur der „Staatsbürger-Zeitung^, Dr. Bachler. Dieser hatte bei Besprechung der Äonitzer Vorgänge an den Prozeß in Tanten erinnert und behauptet, dort sei ein Schächtschnitt und die Blutleere der Leiche konstatiert worden. Justizrath Friedemann weist aus den Akten des Tantener Prozesses nach, daß die Sachverständigen sich ausdrücklich gegen die Annahme eines Schächtschnittes ausgesprochen haben und daß die Leiche nicht blutleer gewesen ist. Er erklärt demgemäß die Behauptungen Bachler's für Unwahrheiten und schreibt: „Ich fordere Herrn Bachler auf, mich wegen dieser meiner Erklärung vor Gericht zu verklagen und mir dadurch Gelegenheit zu geben, an Gerichtsstelle nachzuweisen, in welcher Art die Antisemiten durch Unwahrheiten das Volk irreführen." In einer Versammlung des konservativen Bürgervereins Süd- Luisenstadt, welche am 5. November im Kriegerischen Saale abgehalten wurde, hielt Pastor Koch von der Samariterkirche an Stelle des verhinderten Stadtverordneten Pretzel einen Vortrag, in welchem er nach einem Berichte der „Staatsbürger-Ztg." unter stürmischem Beifall u. a. Folgendes äußerte: „Auch die vielbesprochene Synodal-Verordnung von 1673 sei den Liberalen ein Dorn im Auge, wohl weil durch sie auch die Herren Juden gezwungen würden, wenigstens indirekt, zu den Kirchenlasten beizutragen. Jeder Deutsche aber freue sich, daß man so die Juden wenigstens ein klein wenig am Geldbeutel fassen könne; denn es sei doch garnicht so ungerecht, wenn man sich auf diese Weise eine kleine Handhabe geschafft habe, um von den Juden etwas herauszubekommen für die Segnungen und die Dortheile, die