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Im deutschen Reich · 1900-11-01 · Heft 11 (November 1900) · p. 592

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 11 (November 1900)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1900-11-01
Page
592 (sequence 11)
Language
German
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692 Im deutschen «Heid;. Lehrer jener Anstalt auflehnten. Der Kommandant jener Schule, General Preboyre, welcher jene judenfeindlichen Offiziere in Schutz nahm, wurde zur Disposition gestellt, nicht weil der Kriegs, minister Andröe ein Judenfreund ist, sondern weil die französische Regierung aus der DreysuS-Affaire die theuer erkaufte Lehre gezogen hat, daß Regierung und Volk ihre eigene Existenz gefährden, wenn sie sich von einer kleinen Zahl frecher Schreier und Wühlhuber terrorisieren lassen, welche nur das „Nationalgefühl" und die „Religion" zum Deckmantel nehmen, um längstveraltete Vorrechte zu schützen, ihren Herrschgelüsten zu sröhnen und nicht durch begabte Mitbewerber ihre eigene Unfähigkeit an's Licht kommen zu lassen. In Bezug auf den Rassenantisemitismus stehen jene Kreise, welche der französischen Negierung in der Armee und der Zivilverwaltung so hartnäckigen Widerstand leisten, noch weit hinter den Russen zurück, mit denen sie doch sonst sich so gern verbinden möchten. Durch den Uebertritt zum orthodoxen Glauben eröffnet sich den Juden in Rußland jede Laufbahn; die Abstammung ist den russischen Juden dann nicht hinderlicher als den vielen im russischen Reiche naturalisierten Deutschen. Das Beispiel des Generals von Adelson, der eine hohe militärische Vertrauensstellung in Petersburg einnahm, ist kein vereinzeltes. Uebrigens wird auch eine Gleichstellung der ihrer Religion treu bleibenden Juden in Rußland neuerdings von vielen Seilen befürwortet, so daß dort auch in dieser Beziehung eine Befferung sich erwarten läßt. Das religiöse Vc . urtheil ist leichter zu überwinden als der Raffendünkel, und nur das erstere hält im russischen Reiche einen Kulturfortschritt auf, den die französischen Antisemiten in ihrem Lande hoffentlich vergebens rückgängig zu machen streben. In Bezug auf die Industrie erkennen die Ruffen bereits an, daß die Juden ein sehr nützliches Kulturelement sind. In dem kürzlich erschienenen Buche „Das Zarthum Polen auf dem russischen Markte" von Druschinin und Totschitzki wird nachgewiesen, daß die großartige Entwickelung der polnischen Industrie in den letzten 35 Jahren den Juden zu danken ist, deren Vorrechte auf das Gesuch des Marquis Wielopolski im Jahre 1862 von den Reformen Miljutin's-unberührt blieben. Die Zahl der Handelsunternehmungen im Weichselgebiet hat sich in der Zeit von 1885 bis 1897 säst verdoppelt. Fast ebenso groß ist der Fortschritt der Industrie, die in den Händen der Juden und Ausländer ist, deren Produkte vorzüglich nach den inneren Gouvernements abgesetzt werden. Die polnische Ausfuhr übersteigt die Einfuhr bedeutend und in Folge dessen steht immer die Handelsbalance zwischen Polen und Rußland zn

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