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Im deutschen Reich · 1900-11-01 · Heft 11 (November 1900) · p. 584

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 11 (November 1900)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1900-11-01
Page
584 (sequence 3)
Language
German
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684 3m deutschen Reich. Oel in^die Flammen des^Antisemitismus gegossen". Auf diesen Vortheil für seinePartei will der antisemitische Mitarbeiter Lieberrnann's also lieber verzichten als auf daS Blut der unschuldig angeklagten Juden! Offenbar gehen die Wünsche des Verfaffers jenes Artikels sowie seiner Gesinnungsgenoffen dahin, daß auch in Könitz „kein Oel in die Flammen des Antisemitismus gegoffen werde", sondern zur Beschwichtigung rasender Fanatiker einige Juden unschuldig wegen Mordes verurtheilt werden — selbst „wenn eine Verurtheilung kaum möglich", „die Freisprechung nicht zu vermeiden" wäre. In dieser Kampfesart wetteifern die antisemitischen Blätter der verschiedensten Richtungen miteinander, mögen sie auch noch so heftig mit einander streiten. Wenn sie sich im Koth der Hetzerei finden — da verstehen sie sich gleich! Die „Staatsbürger-Zeitung" und die „Deutsche Wacht" mögen mit dem Organe Liebermann von Sonnenberg's noch so hadern; die gegen die Juden gerichteten Bosheiten jener Blätter verbreiten sie gegenseitig mitWollust schleunigst weiter. Nachdem in Folge der auffallend geringen Wahlbetheiligung im Kreise Rinteln- Hofgeismar in der Stichwahl der von der antisemitischen Fraktion Zimmermann vorher heftig angefeindete Liebermann'sche Schützling Dr. Vogel mit einem Vorsprung von etwa 1600 Stimmen durchgedrungen und den nur von konservativer Seite erstrebten Wahlkreis den Antisemiten erhalten hatte, schrieben sich alle antisemitischen Richtungen das Verdienst dieses Erfolges zu und söhnten sich mit dem vorher gemißbilligten Kandidaten aus. Daß die „Staatsbürger-Zeitung" noch nachträglich einen von dem Wahlausschuffe Liebermann's Unterzeichneten Appell „an die Opferfreudigst aller deutschen Antisemiten" veröffentlicht, widerstrebt freilich selbst dem Führer der deutsch-sozialen Partei. Derselbe erklärt öffentlich: „Ich stelle fest, daß ich eine solche Anzeige nicht aufgegeben habe und bin erstaunt, daß die „Staatsbürger-Zeitung" sich nach der Wahl unaufgefordert für Deckung der Wahlschulden interessiert, nachdem sie zu der Aufnahme des Sammelaufrufes während der Mahlzeit sich nicht bereit finden ließ. Der Abdruck des Aufrufes in der „Staatsbürger-Zeitung" am Sonntag, den LI. Oktober, für die am Dienstag, den 23. Oktober, stattfindende Stichwahl konnte lediglich als eine Verhöhnung unserer Partei aufgefaßt werden. Den tatsächlich vorhandenen Fehlbetrag, der sich aus der Wahlagitation ergeben hat, werden wir jetzt auch ohne Hilfe der „Staatsbürger-Zeitung" aus den Reihen unserer Partei aufzubringen im Stande sein. Liebermann von Sonnender Der Ausgang der Ersatzwahl in Rinteln-Hofgeismar ist aber keineswegs ein solcher, daß die Antisemiten über

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