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Im deutschen Reich · 1900-11-01 · Heft 11 (November 1900) · p. 579

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 11 (November 1900)
Article
Die Juden in Italien
Date
1900-11-01
Page
579 (sequence 7)
Language
German
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Die Juden in Italien. 579 erscheint. Die Mischehen nehmen in Italien in einem Maße zu, wie sie verhältnißmäßig in keinem anderen Lande Europas von der Statistik verzeichnet werden. Die Tempel werden, abgesehen von den ganz großen Festen, nicht besucht, und selten trifft man dort junge Leute an, weil die häusliche Erziehung sie nicht dazu anregt oder die Gewohnheiten, die Neigungen oder auch die Lebensumstände sie davon abziehen und entfernen. Soweit die moralischen Wirkungen! Aber es entstehen daraus auch materielle Folgen, die für den Augenblick wenig erfreulich und für die Zukunft noch weniger beruhigend sind. Die jüdischen Gemeinden in Italien sind mit geringen Ausnahmen arm. Es giebt verschiedene, die nichts besitzen; und das italienische Gesetz, wodurch die Güter der geistlichen Genoffenschasten eingezogen wurden, um sie bürgerlichen und weltlichen Zwecken zuzuwenden, verschonte natürlich aus Gründen der Gleichheit auch die jüdischen nicht, die sich, soweit wie sie konnten, vertheidigten, aber sich theilweise jenerBelastung unterwerfen mußten. In Italien ist die katholische Religion vom Staate gesetzlich anerkannt, daher wird sie auch mit Geldmitteln unterstützt, indem, unabhängig von den Bedürfnissen, die der Papst befriedigt, die Regierung mit dem Kultusfonds (Fondo per il Quito) für die Erfordernisse der Kirche aufkommt. Die anderen Religionen werden --erkannt, aber der Staat steht ihnen nicht bei und unterstützt sie keiner Weise. So geschieht es. daß die jüdischen Gemeinden > aus eigener Kraft aufrecht erhalten müssen, indem sie für die gottesdienstlichen, die Unterrichts- und WohlthätigkeitSauSgaben ausschließlich auf die Beiträge der Israeliten angewiesen sind. Und dieses Problem, welches schon lange schwierig war, droht immer unlösbarer zu werden. . Im alten Piemont, von 1848 bis 1859, wo die liberale Verfassung Karl Albert's Anwendung gefunden hatte, kam die Turiner Jüdische Gemeinde nicht vorwärts, weil die Juden sich weigerten, sie in entsprechendem Maße zu unterstützen. Da legte der Minister Rattazzi dem Subalpinen Parlament ein Gesetz vor zur Anwendang des sogenannten Königlichen Armes (Braccio Regio), d. h., um den Juden gesetzmäßig eine besondere Steuer zur Ausübung ihres Kultus aufzuerlegen. So konnte die jüdische Gemeinde Turins leben. Mit den Annektierungen von 1860 und

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