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Im deutschen Reich · 1900-11-01 · Heft 11 (November 1900) · p. 578

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 11 (November 1900)
Article
Die Juden in Italien
Date
1900-11-01
Page
578 (sequence 6)
Language
German
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678 3tn deutschen Reich. Hochzeiten, hinterlaflen oder vertheilen sie oft bedeutende Summen, ohne irgend einen Religionsunterschied. Es giebt Wohlthätigkeits-, Erziehungs- und Unterrichtsanstalten, Krankenhäuser. Asyle, Brüderschaften, die verschiedenen Kulten dienen. Das Geld wird sowohl an die Rabbiner als an die Pfarrer vertheilt, damit sie gleichzeitig das Elend der Angehörigen aller Glaubensbekenntniffe erleichtern. Die Zeitungen berichten von diesen Gaben; das Publikum liest, urtheilt und spricht sich günstig aus. Auf solche Weise werden selbst die trotzigsten Klerikalen genöthigt, die instinktiven Triebe ihrer Abneigung zu mildern oder zu verschleiern. Angesichts der günstigen Lage, die durch Fleiß und Intelligenz, sowie durch die Gunst der Umstände des Judenthum Italiens einnimmt, könnte man fast besorgt sein, ob die zahlreichen hervorragenden Stellungen, die sich im Besitz von Juden befinden, nicht indirekt durch Entfremdung des Judenthum zu schwächen geeignet sind. Man beachte folgende Beispiele: Bei den letzten Parlamentswahlen vom 3. Juni erreichten die jüdischen Kandidaten/ die aufgestellt wurden, die Zahl siebzehn. In ihrem Verhältnis zur Bevölkerungsziffer hätten es auch nicht einmal zwei sein dürfen. Gewählt wurden zehn oder elf, während es im Verhältniß zur Bevölkerung vielleicht einer hätte sein dürfen. Im Senate des Königreichs sitzen sogar sechs, während es im Verhältniß zur Bevölkerung kaum einer sein dürste. Die Stadtverordneten-Versammlung von Florenz besteht aus 60 Mitgliedern: Von diesen sind vier Juden und einer von ihnen ist Stadtrath, d. h. er bekleidet das Amt des ehemaligen Priorat« von Dante Alighieri. Niemand behauptet, daß solche Ehren unverdient seien, aber mancher denkt, sie seien übermäßig. Die Gläubigen, welche im ganzen genommen eine geringe Minderheit darstellen, sind schon jetzt in Besorgniß und Unruhe, daß diese Eroberungen der Juden auf dem politischen, bürgerlichen, wissenschaftlichen und ökonomischen Gebiete immer mehr das religiöse Gefühl, abschwächen. Die Israeliten, welche sich zum Parlament, zu den öffentlichen Aemtem, zu den Verwaltungsräthen, zum Heer, zur Marine, zum Katheder hingezogen fühlen und von diesen in. Anspruch genommen werden, vergessen die Synagoge für sich und meistens auch für ihre Familien. Die heilige Sprache wird wenig oder schlecht gelernt, so daß die letzte Lebenskraft dahinsiecht in einem Körper, der jeden Tag blutleerer

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