Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 11 (November 1900)
- Article
- Die Juden in Italien
- Date
- 1900-11-01
- Page
- 577 (sequence 5)
- Language
- German
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Die Juden in Italien. 577 aufgehört, in Helle Flammen auszubrechen, wie er einst drohte; und die Funken, die noch zum Vorschein kommen, rühren aus dm niedersten Arten derjenigen Schenken her, welche Vorzimmer der Gefängniffe und Zuchthäuser stnd, während man in den höheren Kreisen so viel Schamgefühl hat, auch den unbedeutendsten Rauch zu ersticken. Was die allgemeine politische und soziale Ordnung anbetrifft, so ist eine andere hochbedeutsam'e Thatsache vorhanden, die als wirksamer Schutz gegen den Antisemitismus und als Vertheidigung für Angriffe, die derselbe in Zukunft vorbereiten sollte, viel versprechend ist. Bekanntlich hat Italien, das bis vor zehn Jahren den Sozialismus nicht kannte oder demselben unzugänglich war, in den letzten Zeiten dieser größten Strömung des absterbmden Jahrhunderts nachgegeben. Der Sozialismus ist bei uns eine gewaltige Macht im Parlament, in den Vereinen, in der Kommunal- und Provinzialverwaltung geworden. Hier ist nicht der Ort, auf die Bedeutung nnd die Folgen dieser Erscheinung, in ihrenBeziehungm auf das nationale Leben Italiens einzugehen. Doch muß hervorgehoben werden, daß die Juden bei uns dem Lauf oder Flug der neuen Partei gegenüber keineswegs unthätig oder schweigsam geblieben sind. Sie kämpften stets in den verschiedenen Abstufungen der liberalen Partei, mit Bevorzugung der gemäßigten und konservativen Ideen. Gem vermeiden sie die übertriebenen Leidenschaften oder den Anschluß an politische Sekten. Bisher hatten wir in unserem Lande die Freimaurerei, eine Einrichtung, von der man nicht ohne Mäßigung und ohne Vorbehalt schreiben darf, die aber stets Achtung, Duldung und Gleichberechtigung für jedm Glauben anempfahl. Die Freimaurerei, zu der das Judenthum immer in reichem Maße beisteuerte, leistete den Juden nicht geringe Dienste und trug dazu bei, zu ihren Gunsten Brüderlichkeitsgefühle zu erwecken oder zu festigen. Uebrigens giebt es viele reiche Juden, welche ihre Pstichten begreifen und erfüllen, und je nach ihren Kräften an den verschiedenartigsten Werken nationaler Mildthätigkeit, allgemeiner Menschenliebe oder der Privatwohlthätigkeit theilnehmen. Werden Geldzeichnnngen für politische oder fromme Kundgebungen angekündigt, so fehlen die Israeliten nie unter den Ersten, die solchen Folge leisten. In vielen zahlreichen und verschiedenartigen Lebenslagen, bei Familientrauer oder freudigen Familienereignissen, bei Todesfällen, Geburten,