Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1900-11-01 · Heft 11 (November 1900) · p. 574

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 11 (November 1900)
Article
Die Juden in Italien
Date
1900-11-01
Page
574 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2316602-2316663-2316674-2326746--07368-2326819
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

574 Im deutschen Reich. was sie schreiben, sondern wegen ihres Glaubens. Doch vergeuden sie dabei Zeit und Tinte: die Leute hören weder auf sie, noch folgen sie ihnen. Die Federn der Juden genießen eine wohlverdiente Achtung, und die jüdischen Journalisten können über diese Angriffe lächeln, ihnen zuschauen und darüber zur Tagesordnung übergehen. Einer der am meisten Heimgesuchten in dieser erlesenen Schaar war in den letzten Jahren Attilio Luzzatto, Leiter der „Tribun a", des verbreitetsten Blattes Italiens. Aber als er vor wenigen Monaten plötzlich und vorzeitig vom Tode hingerafft wurde, war die Leichenfeier, welche ihm in Rom zu Theil wurde, eine derartige, daß sie denjenigen der angesehensten und am meisten betrauerten Persönlichkeiten an die Seite gestellt werden kann: Sein Sarg war von Ministern, Senatoren, Deputierten, Generälen, Richtern, Professoren sowie von den Fahnen unzähliger Vereine umgeben, eine ungeheure Menge hatte sich versammelt, um dem Menschen, dem Schriftsteller, die letzte Ehre zu erweisen, ohne darüber nachzudenken oder dabei zu empfinden, welcher Religion er im Leben angehört hatte. Nach der Preffe wird es nicht unnütz sein, einen Blick auf die Bank und auf den Handel im allgemeinen zu werfen. Die Bank ist in Italien nicht, wie in anderen Ländern, vorherrschend in deu Händen der Juden. Und vielleicht schadet dies nicht im innersten Gefühl der Massen, sondern nützt eher, insofern es dazu beiträgt, die Habgier zu mäßigen und den Neid abzuschwächcn, der unglücklicherweise zu leicht in anderen Gegenden erweckt wird. Doch. sind Juden an den Börsen als Wechselagenten, die mit einem Erlaubnißschein für das Königreich versehen sind, oder als Kommissionäre ausländischer Wechselagenten in den belebtesten Centren, nämlich Rom, Genua, Florenz und Mailand vertreten. Sie leben mit ihren katholischen Kollegen in vollkommener Harmonie und aufrichtiger Herzlichkeit. Fast nie in sehr langen Jahren hat es an unseren Börsen religiöse Reibungen oder Streitigkeiten gegeben. Im allgemeinen scheuten die jüdischen Wechselagenten nicht vor den härtesten Opfern zurück, um ihren Verpflichtungen nachzukommen; kaufmännisches Mißgeschick traf häufiger die Katholiken als sie, und in Zeiten allgemeiner Krisen waren es oft die Israeliten, welche ihren christlichen Kameraden zu Hilfe kamen und alles thaten, um sie zu retten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.