Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 11 (November 1900)
- Article
- Die Juden in Italien
- Date
- 1900-11-01
- Page
- 575 (sequence 3)
- Language
- German
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Die Juden in Italien. 575 Was andere Geldoperationen betrifft, wäre es falsch, zu behaupten, daß die Juden in Italien nicht den Wucher betrieben. In Venedig, Modena, Florenz, Rom und in anderen, kleinen Städten fehlt es nicht an Diskontierern, die davor nicht zurückfchrecken. Aber bei ruhiger und unparteiischer Untersuchung läßt sich feststellen, daß an einem und demselben Platz der Wucher leider ausgedehnt und tiefgehend ist, und daß die Juden eine winzige Minderheit darstellen. Wenn ein Aufsehen erregendes kaufmännisches Unglück passiert, wenn von einem schändlichen Fall berichtet wird, in dem unglückliche Geschäftsleute hintergangen oder ruiniert, oder Söhne reicher Leute getäuscht worden sind, und wenn der Urheber so unwürdigen Mißbrauchs ein Jude ist, so protestieren, schreien, schimpfen die Leute und weisen mit Wuth und Verachtung auf die Religion hin. Doch gegenüber einem oder zwei dieser Vorfälle, die man den Israeliten vorwirst, ereignen sich fünf oder zehn gleiche und manchmal schlimmere, in denen die Verantwortlichkeit Katholiken zufällt. Um diese wird kein großer Lärm geschlagen und auf ihren Glauben in keiner Weise hingewiesen, wenn auch die Thatsache vorhanden, unleugbar und bekannt ist. Also daß der Wucher eine jüdische Pest sei, ist für Italien eine kindische Anklage und gehässige Verleumdung. Ja, man kann noch weiter gehen. Die von der Plage des Wuchers am meisten heimgesuchten Provinzen Italiens sind die südlichen. Hier, in der Stadt und auf dem Lande des ehemaligen Königreichs Neapel stellt das Geldverleihen einen fortdauernden und überaus grausamen Diebstahl dar. Die Greuelthaten dieser süditalienischen Wucherer sind in Europa wohl ohne Beispiel. Und doch findet sich selten in ihrer großen Menge ein Jude. Und wenn hin und wieder eine Ausnahme von der Regel vorkommt, so weist bei dieser Ausnahme niemand auf den Ursprung, die Rasse oder den Glauben hin. Die Israeliten widmen sich heut zu Tage vorzugsweise den steien Berufen, der Beamtenlaufbahn, dem Handel und der Industrie. Das beweist auch die genaueste und neueste Statistik, aus der hervorgeht, daß bei der Auswanderung (bekanntlich eines der beständigen und traurigen Auskunftsmittel unseres Landes) die Juden kaum fünf vom Hundert bilden. . Freilich besteht unsere auswandernde Bevölkerung zur großen Mehrzahl entweder aus den aäerbau- 42'