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Im deutschen Reich · 1900-11-01 · Heft 11 (November 1900) · p. 565

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 11 (November 1900)
Article
Die Erlösung des Judenthums?
Date
1900-11-01
Page
565 (sequence 9)
Language
German
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Die Erlösung des Judentums. 565 1. Benedictus Levita gehört nicht zu denjenigen Juden, die, jedes religiösen Gefühls bar, den Positivismus überwunden, ihr Judenthum somit aufgegeben haben. Im Gegentheil: er hat entschieden religiöse Bedürfniffe; er erkennt auch das wesentliche — ich sage mit ihm das einzige — Dogma des JudenthumS vom einig ° einzigen Gott freudig an. Der jüdische Gottesbegriff erscheint ihm so sehr als der 'allein richtige im Gegensatz zu dem christlichen, der ihm mit dem reinen Gottesbegriff des JudenthumS unvereinbar dünkt und ihn in seiner Unbegreiflichkeit abstößt, daß er hierüber sagt: „Es ist nicht auszudenken, wie sehr die Lehre vom Gottmenschen unserem Empfinden zuwider ist. Man sagt uns zwar: er ist ja „wahrhaftiger Mensch". Aber doch auch „wahrhaftiger Gott". Hierüber hilft uns kein Drehen und Deuteln. In diesem Punkte sind und bleiben wir Stockjuden. Ein Wesen Gott gleich zu setzen, es sei nun, wie es sei, ist uns ein Greuel. Schon deshalb, weil er ein Jude war, kann Jesus sich nicht als Gottes Sohn bezeichnet haben; und hätte er es gethan: kein einziger Jude wäre ihm gefolgt. Den Glauben an einen einzigen körperlosen bildlosen Gott lassen wir uns nicht rauben und auch nicht trüben; für diesen Glauben haben unsere Väter ihr Blut in Strömen vergossen; und zwänge man uns heute vor dem Kreuz niederzuknieen, man würde Gleiches erleben." Ja, Benedictus Levita hält die Kluft zwischen dem jüdischen und dem christlichen Gottesbegriff für so groß, daß er denjenigen Juden, der sie mit Bewußtsein überspringt, einen charakterlosen Lumpen nennt. Doch das Dogma ist, wie Levita richtig bemerkt, nur eines der wesentlichen Elemente einer Religion; zu denselben gehören auch noch ihr sittliches Ideal und ihre Erinnerungen; in diesen beiden aber erscheint ihm die Religion des Christenthums der jüdischen Religion gegenüber weitaus überlegen: in den religiösen Erinnerungen des Judenthums überwiege im Gegensatz zu denjenigen des Christenthums das Nationale zu sehr das Religiöse; und das sittliche Ideal des Judenthums habe erst durch das Christenthum eine Vertiefung und Verschärfung erfahren. Das sittliche Ideal des Judenthums, es hat seinen vollendetsten Ausdruck in dem Satze der Schrift gefunden: „Heilig

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