Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 11 (November 1900)
- Article
- Die Erlösung des Judenthums?
- Date
- 1900-11-01
- Page
- 564 (sequence 8)
- Language
- German
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deutschen Reich. L64 steuern, aber wir wollen unserer Jugend auch das Rückgrat stärken durch die Hebung ihres religiösen Selbstgefühls, damit uns die widerliche Erscheinung nicht mehr begegne, daß sich ein Jude öffentlich über „das Geplapper und Geplärr in den Synagogen" lustig macht. Wir wollen auch sonst an uns bessern! Im übrigen aber wollen wir warten, bis sich auf der anderen Seite „die Erlösung" vollzieht, bis das Ur-Evangelium Christi inmitten seiner Bekenner zur Wahrheit wird, bis die Menschenmäkelei aufhört und der Tag anbricht, wo der Herr Einer und sein Name E i n z i g e r ist. Berlin. Dr. S. Maybaum. II. Welch' eigenthümlichen Geistes- und Gemüthszustand der moderne Antisemitismus in den Kreisen gebildeter, namentlich akademisch gebildeter deutscher Juden gezeitigt hat, zeigt ein im Oktoberheft einer der angesehensten deutschen Monatsschriften, der ,,Preußischen Jahrbücher", unter der Ueberschrift „Die Erlösung des Judenthums" veröffentlichter Aufsatz eines deutschen Juden. Der Verfasser verbirgt sich hinter dem Pseudonym „Benedictus Levita" und ist — es bedarf keines großen Aufwandes von Scharfsinn, um dies zu erkennen — Jurist: Rechtsanwalt oder, was' mir noch wahrscheinlicher dünkt, Richter. Ausgehend einerseits von dem unbefriedigenden Berhältniß des Judenthums unserer Tage zu dem Deutschthum und andererseits der Ueberzeugung, daß nur in dem völligen Zusammenschluß Beider das Heil liegt, empfiehlt er als Mittel zur Erlangung des Heils nicht etwa die Selbsttaufe, wohl aber die Kindertaufe. Die Betrachtungen, als deren Resultat diese Empfehlung sich kundgiebt, zeugen ohne Zweifel davon, daß der Verfasser Vieles vom Judenthum, namentlich seinen Gebräuchen, weiß; eine wirkliche Kenntniß des Judenthums aber, seines Wesens, namentlich -feiner Ethik, seiner Apologetik, ja selbst auch nur seiner Geschichte mangelt ihm. Diese eine Fülle von Ungenauigkeiten und Unklarheiten erzeugende Unkenntniß aber ist es, die seinen Betrachtungen die Grundlage nimmt und deren Resultat demnach als durchaus verfehlt erscheinen lassen muß.