Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 11 (November 1900)
- Article
- Die Erlösung des Judenthums?
- Date
- 1900-11-01
- Page
- 563 (sequence 7)
- Language
- German
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Die Erlösung des Judentums. 563 Folge dieser jüdischen Kindertaufen ist genau das Gegentheil von dem, was er erwartet: abgesehen nämlich davon, daß dadurch die ungerechte Judenpolitik und das thörichte Vorurtheil der Gesellschaft gegen die Judm gerechtfertigt erscheinen, wird auch noch das Dogma gekräftigt, weil ja selbst die Juden ihren Widerspruch dagegen aufgegeben haben. Das wurde auch von geschichtskundigen liberalen Christen bereits längst erkannt. Darum beschwor unS Professor Dr. A. Fr. Berner in seinem am 30. Januar 1831 im hiesigen Rathhause gehaltenen Vortrage „lieber Judenthum und Christenthum und ihre Zukunft", daß wir wie bis allher die Fahne des Monotheismus treu und unverwandt durch die Geschichte tragen, weil Israel durch seine religiöse Absonderung der Menschheit den höchsten Dienst geleistet hat. Jeder Austritt aus dem Judenthum sei noch heute als eine Schädigung zu betrachten „für die Entwickelung der Religion zur höheren Wahrheit und Reinheit"; das Judenthum sei heute wie ehedem „zur unwandelbaren Behauptung des Monotheismus berufen". Aber es bedarf ja nicht erst dieser Beschwörung. Wir können warten — das glaubm wir wohl schon bewiesen zu haben — und wir werden inzwischen unaufhörlich an uns bessern, um uns unserer weltgeschichtlichen Sendung würdig zu erweisen. Vor allem wollen wir in unserer Mitte der Unwissenheit in religiösen Dingen steuern. Der Bildungs-Enthusiasmus, mit dem wir uns in neuerer Zeit den allgemeinen Wissenschaften und Künsten zugewandt haben, hat uns der eigenen Geschichte und Literatur entfremdet. Herr Benedictus Leoita stammt noch aus der Zeit, da der Religionsunterricht bei uns im Argen lag. Wie könnte er sonst sprechen „von dem großen Rechtsbruch der Kreuzigung, der heimgesucht wird am tausendsten Glieds"; wie könnte er erzittern über den „frevelhaften" Ruf unserer Vorfahren: „Sein Blut komme auf uns und unsere Kinder!" ohne zu ahnen, daß jener Rechtsbruch und dieser Ruf — was christliche wie jüdische Forscher längst erkannt haben — reine Erfindungen sind und aus der Zeit stammen, wo das junge Christenthum anfing, sich mit der römischen Staatsgewalt zu vertragen, und wo es darum bestrebt war, die ganze Schuld der Kreuzigung von den Römern auf die Juden abzuwälzen? Ja, wir wollen der Unwissenheit