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Im deutschen Reich · 1900-11-01 · Heft 11 (November 1900) · p. 562

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 11 (November 1900)
Article
Die Erlösung des Judenthums?
Date
1900-11-01
Page
562 (sequence 6)
Language
German
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562 Im deutschen Reich. gleichen dafür zu haben. Leider sei dazu wenig Aussicht vorhanden, und da Herr Benedictus Levita behauptet, daß er nicht bekennen kann, was er nicht zu glauben vermag, daß ihm „das Wort in der Kehle erstürbe", wenn er an die Stelle käme- „und an seinen eingeborenen Sohn", so waren wir recht begierig zu erfahren, wie die von ihm angekündigte „Erlösung des Judenthums" zu Stande kommen sollte. Wie groß war aber unser Erstaunen, als wir gleich auf der anderen Seite die Lösung des Problems in dem Schlußsätze fanden: „Unsere Kinder werden Christen." Also dazu die lange Auseinandersetzung? Wo steckt >da die Logik? Warum ist „das Blatt Papier" — damit meint er das christliche Bekenntniß — das ihn am Uebertritte hindert, für die Kinder nicht vorhanden? Haben sie ein anderes Gehirn als ihre Väter, oder soll es ihnen durch die christliche Erziehung gründlich umgestaltet werden? Und wo bleibt die vielgepriesene Sittlichkeit? Eine Religion, die ihm selbst in dem wichtigsten Punkte, in der Gotteslehre, ein „Gräuel" (S. 38, Z. 32 v. o.) ist,. diese Religion hält er für gut genug für seine Kinder? Vielleicht, weil sie als ahnungslose Kinder nicht widerstreben können? Aber warum erinnert er sich hier nicht an die Väter, die für den Einig-Einzigen ihr Blut in Strömen vergossen haben, um diesenGlauben auf ihreKinde.r z u v e r p f l a n z e n? Es ist der reinste Materialismus, der hier gepredigt wird. Der Uebertritt zum Christenthum zum Zwecke eines leichteren Fortkommens in Staat und Gesellschaft ist in den Kreisen, die noch etwas auf sich halten, mit dem Brandmal der Charakterlosigkeit behaftet; darum soll er gleich bei der Geburt in der Stille abgemacht werden. Und diese doppelte Charakterlosigkeit wagt es noch, sich mit edlen Absichten und Zielen zu verbrämen! „Unsere Kinder sollen theilnehmen an der großen Geisterschlacht, die innerhalb des Christenthums geschlagen wird"? Aber wieso denn? Meint etwa Herr Benedictus Levita, daß wir durch die Massentaufen unserer Kinder die orthodoxen Kreise zur Preisgebung des Dogmas veranlassen können? Oder hofft er, die getauften Judenkinder zu lauter Kämpfern für dm kirchlichen Liberalismus zu erziehen? Da ist er gründlich im Jrrthum. Sie werdm genau so schlechte Christen werden, wie ihre Väter schlechte Juden waren. Die nächste

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