Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 11 (November 1900)
- Article
- Die Erlösung des Judenthums?
- Date
- 1900-11-01
- Page
- 559 (sequence 3)
- Language
- German
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Die Erlösung des Iudenthmns. 559 Das Passahfest (Ostern) feiert Gott als den Erlöser, der die Unterdrückten befreit aus der Hand ihres Drängers, das Schabuothfest (Pfingsten) feiert die Offenbarung der Heilslehre, die bestimmt war, die Welt zu erobern, das S u k k o t h« fest feiert die göttliche Vorsehung in der Geschichte, welche die Menschheit ihrer messtanischen Vollendung entgegenführt. Neujahrs- und Versöhnungsfest vollends feiern die Heimkehr des verlorenen Sohnes in das Haus seines Vaters/ feiern den Sieg des Himmlischen über das Irdische, der sich in jedem edlen Menschen früher oder später vollzieht. Was ist da national? Wie kann ein Mann, wieBenedictus Levita, der das Dogma a b l e h n t, die religiösen Erinnerungen der christlichen Feste denen der jüdischen vorziehen? Was bleibt ihm denn vom christlichen Osterfeste rc., wenn er den Glauben an die Auferstehung Christi leugnet? Aber das sittliche Ideal! sagt Benedictus Levita. Wenn es irgend ein Gebiet giebt, wo wir den Vergleich mit dem Christenthume nicht zu scheuen haben, so ist es gerade die Sittenlehre des Judenthums. Man muß sie nur kennen, dann wird man sich nicht frivoler Weise lustig machen über das sittliche Ideal des Judenthums, als das Ideal eines Mannes, „der gern in Ruhe seines Weinbergs warten, guten Schlaf und gute Verdauung" haben möchte. „Die Forderungen des jüdischen Sittengesetzes," sagt Benedictus Levita, „kann man alle erfüllen, ohne von seiner Behaglichkeit viel einzubüßen; leibliches Wohlbefinden wird sogar als Lohn der guten That versprochen." Das Christenthum dagegen habe die sittliche Forderung vertieft und verschärft. „Verkaufe aller» was du hast und gieb es den Armen", „selig find, die da Leid tragen", — das klingt anders als das jüdische „auf daß es dir wohl ergehe und du lange lebest auf Erden". Wie kann man nur ein so einfaches Schriftwort so arg mißdeuten! Giebt es ja kaum etwas Feineres und Sinnigeres als diesen Zusatz: „auf daß es dir wohl ergehe und du lange lebest auf Erden". Denn dieser . Zusatz verspricht keinen Lohn und ist auch nicht an den Einzelnen gerichtet; er ergeht an die Gesammtheit Israels, die hier, wie überall, mit d u angeredet wird, und gerade vom Standpunkte der höchsten Sittlichkeit muß es hervorgehoben werden, daß das