Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 9 (September 1900)
- Article
- Das Blut im Glauben und Aberglauben der Menschheit [Rezension]
- Date
- 1900-09-01
- Page
- 492 (sequence 4)
- Language
- German
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492 3m deutschen Reich. Die Schrift zerfällt in zwei wesentlich verschiedene Theile. Von den Juden und dem „jüdischen Blutritus" ist erst im II. Theile die Rede. Der ganze I. Theil dagegen (Kap. 1—13) hat auf die Juden überhaupt keinen Bezug, behandelt vielmehr die Bedeutung des Blutes im Glauben, Aberglauben und in der „Volksmedizin" und vieler damit im Zusammenhang stehender Erscheinungen innerhalb der „ n i ch t j ü d i s ch e n Menschheit". Die große Menge, nicht minder aber auch die Eigenartigkeit des darin behandelten Stoffes zwingt uns leider, auf eine Analyse dieses überaus lehrreichen und' — so abstoßend und häßlich auch vielfach das darin Geschilderte ist — dennoch auch interessanten Theiles zu verzichten. Nur Einiges aus dem Inhalte des zweiten Kapitels (Menschenopfer, „Blutritus") mag hier eine Stelle finden. Daß die gleiche Beschuldigung, unter der die Juden seit dem 13. Jahrhundert soviel gelitten, ursprünglich gegen die Christen des' 2. und 3. Jahrhunderts von den Heiden erhoben worden mar, die fich dabei auch auf — natürlich erpreßte — Geständnisse beriefen, dürfte allgemein bekannt sein. Nicht minder bekannt ist es, daß auch in China zu den in den letzten Dezennien wiederholt vorgekommenen Verfolgungen der Christen, insbesondere der katholischen Missionare, die ^gleichen Beschuldigungen den Anlaß hergegeben. Und wer fich noch mehr davon überzeugen will, wie vieles von dem, was die Juden im christlichen Europa so oft erfahren, fich dort gegen die Christen wiederholt hat, — Prozeßverfahren und Verurteilungen aus Anlaß solcher Beschuldigungen, Anwendung der Folter zur Erpreffung von Geständniffen — der lese, was Strack (S. 54 f.) hierüber anführt. Dagegen dürfte es weit weniger bekannt sein, dafür aber desto mehr überraschen, daß im 19. Jahrhundert ein Christ selbst die Dreistheit gehabt, derartige Vorwürfe gegen das Christenthum zu schleudern. Auf S. 13 f. ersehen wir bei Strack, daß G. F. Daumer in seinem zweibändigen Buche „Geheimniffe des christlichen ALterthums" (Hamburg 1847), dem Strack das Zeugniß nicht versagen kann, daß es „Belesenheit und Scharfsinn bekunde", nachzuweisen gesucht hat, daß das Charakteristische der christlichen Religion von ihrem Entstehen bis zum Ende des Mittelalters „in Menschenopfern und Menschenfrefferei und im Genießen von Menschenblut bestanden" habe. Mit Recht nennt Strack die von Daumer aus seinen Beweismitteln gezogenen Folgerungen „wahnwitzig". Aber man mag aus diesem Beispiele ermeffen, was auf antisemitische Beweisführungen gegen das Judenthum zu geben ist, die noch tief unter derjenigen Daurner'L