Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 9 (September 1900)
- Article
- Das Blut im Glauben und Aberglauben der Menschheit [Rezension]
- Date
- 1900-09-01
- Page
- 491 (sequence 3)
- Language
- German
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Bucherschau. 491 Ehre, durch Verdächtigungen und Verleumdungen niedrigster Art. Dies hinderte aber Strack nicht, bei nächster Veranlassung den Kampf für die Wahrheit und gegen die Blutlüge wieder aufzunehmen. Diese Veranlassung bot sich ihm bald einerseits durch den Tantener Prozeß, andererseits durch die in Mailänder „Observators Cattolico“ veröffentlichte Artikelserie: „Gewißheit des rituellen Charakters der seitens der Juden verübten Morde." Und soerschien denn schon im darauffolgenden Jahre die 4. Auflage der Strack'schen Schrift in völlig neuer Bearbeitung, so daß aus den 59 Seiten der 1. Auflage 155 geworden waren. Nach längerer Pause ist nun Strack vor Kurzem wieder auf den Plan getreten mit einer dritten Bearbeitung seiner Schrift, die nun den Titel führt: „Das Blut im Glauben und Aberglauben der Menschheit", mit besonderer Berücksichtigung der „Volksmedizin" und des jüdischen Nitualmordes." Wie die Vorrede besagt, ist diese Neubearbeitung durch den Polnaer Prozeß und die durch ihn, insbesondere in Oesterreich und Süddeutschland, entstandene Beunruhigung veranlaßt, welche Strack zwangen, andere Arbeiten zu verschieben und der Blutlüge in's Gesicht zu leuchten. Die Schrift ist somit recht eigentlich eine Tendenzschrift, aber von Her seltenen Art, daß Tendenz und Schrift dem Verfaffer als Menschen wie Gelehrten in gleicher Weise alle Ehre macht und zugleich die Wiffenschaft um ein Buch von bleibendem Werthe bereichert wird. Denn es ist ein gediegenes und grundgelehrtes Buch, das auch, abgesehen von seinem apologetischen Zwecke, in allen gebildeten Kreisen die größte Beachtung veÄüeut, aus dem der Theologe wie der Jurist, der Mediziner wie der Kulturhistoriker reiche Belehrung schöpfen kann. Mit einem wahren Bienenfleiße hat der Verfasser sein ebenso reiches und erschöpfendes, wie kritisch gesichtetes uud zuverlässiges Material von allen Seiten zusammengetragen, zugleich ein sprechendes Zeugniß für seine umfassende Gelehrsamkeit, erstaunliche Belesenheit und seinen kritischen Scharfblick. Diesen Ungeheuern, fast erdrückenden Stoff hat der Verfasser so geschickt und übersichtlich zu ordnen und in so ansprechender Darstellungsform vorzusühren verstanden, daß die Schrift nichts vom „Schweiße des Arbeiters" verräth und mit immer wachsendem Interesse .gelesen wird. Was aber dieselbe als apologetische Schrift besonders auszeichnet, das ist, daß sie lediglich eine Art Zeugenverhör darstellt,^ insofern Strack bemüht gewesen ist, den Thatbestand selbst reden zu lassen und säst ausschließlich die Aussagen der von ihm benutzten Quellen in unverändertem Wortlaut geboten hat: „so kann jeder, der wirklich objektiv urtheilen will, sich selbst eine Ueberzeugung bilden."