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Im deutschen Reich · 1900-09-01 · Heft 9 (September 1900) · p. 490

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 9 (September 1900)
Article
Das Blut im Glauben und Aberglauben der Menschheit [Rezension]
Date
1900-09-01
Page
490 (sequence 2)
Language
German
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490 3m deutschen Reich. tröstete man sich bei uns wohl mit dem Gedanken, daß ein solcher Prozeß wohl noch in Ungarn möglich, in dem erleuchteten Deutschland aber ganz undenkbar sei. Inzwischen haben wir auch bei uns den Tantener Prozeß erlebt, und dazu ist in allerjüngster Zeit noch die Affaire Könitz hinzugekommen. Und wie herrlich weit wir es bereits in dieser Beziehung gebracht, beweist namentlich die Thatsache, daß man von offizieller Seite fich nicht gescheut hat, die öffentliche Erklärung abzugeben, die Untersuchung in der Konitzer Mordangelegenheit sei auch so geführt worden, wie wenn die Möglichkeit eines jüdischen Ritualmordes nicht ausgeschlossen wäre! Muß da nicht die urtheilslose Menge an der Wahrheit irre werden, muß nicht auch der Unbefangene "aber Unkundige zu dem falschen Glauben gelangen, als sei die Frage, ob Juden Menschenblut gebrauchen, doch noch nicht völlig klargestellt? — Umsomehr muß es darum mit Freuden begrüßt werden, daß ein Mann, der wie nur wenige das Recht für sich in Anspruch nehmen darf, in dieser Frage als ebenso sachkundiger wie unparteiischer Richter zu gelten, gerade jetzt wieder das.Wort ergriffen hat, um über die Blutbeschuldigung sein Uriheil zu sprechen. Der Profeffor der Theologie an der Berliner Universität, Dr. theol. et phil. Hermann L. Strack, der seit Jahren, namentlich seit dem Tode des wackeren Franz Delitzsch, im Kampfe gegen die Blutbeschuldigung unter den christlichen Gelehrten in vorderster Reihe steht und diesen Kampf mit seltener Unerschrockenheit und bewundernswerther Ausdauer führt, hat bereits im Jahre 1882 die Frage, ob Juden zu rituellen Zwecken Christenblut gebrauchen, in einem Artikel der „Evangel. Kirchenzeitung" erörtert und verneint. Die Ergebniffe seiner inzwischen fortgesetzten Studien veröffentlichte er sodann, anläßlich des Corfuer Mädchenmordes und seiner Fruktifizierung durch die Antisemiten, im Jahre 1891 in der Schrift „Der Blutaberglaube bei Christen und Juden" (München). Der Eindruck der Strack'schen Beweisführung war selbst auf gegnerischer Seite ganz unverkennbar. Sie hatte den beachtenswerthen Erfolg, daß die meisten derjenigen Zeitungen, welche früher vom „jüdischen Blut r i t u s " und jüdischen „Ritual mord" sprachen mehr und mehr Anstand nahmen, diese Bezeichnungen fernerhin zu gebrauchen, und fortan nur noch vom „jüdischen Blutmord" und „jüdischen Blutaberglauben" redeten, die direkte Bezugnahme auf den Ritus somit vermieden- Strack selbst aber mußte erfahren, wie gefährlich es heut zu Tage ist, für die Wahrheit einzutreten, wenn sie den Juden günstig ist. Die Raffen-Antisemiten rächten sich an ihm dafür durch allerlei Angriffe auf seine wissenschaftliche wie persönliche

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