Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 9 (September 1900)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1900-09-01
- Page
- 481 (sequence 4)
- Language
- German
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Oereinsnachrichten. 481 gewagt worden sind, im Falle der Bestrafung aber von ihnen als „Judenmache" bezeichnet wurde, auch das Ansehen der Verwaltung geschädigt. Die Verwirrung, welche sie durch Glorifizierung mittelalterlicher Zustände, durch Verbreitung von Unzufriedenheit in den sonst so friedliebenden Kreisen des Mittelstandes und durch Verquickung des Liberalismus und der Sozialdemokratie mit der sogenannten „Judenfrage" in dem politischen Leben angerichtet haben, spottet jeder Beschreibung. Nicht minder groß sind die von ihm auf volkswirthschaftlichem Gebiete herbeigeführten Nachtheile, indem sie die Juden, deren Wohlstand sich nur in einzelnen Großstädten über das Durchschnittsmaß erhebt, in allen kleineren Orten aber weit hinter demselben zurückbleibt, als Träger des Kapitalismus hinstellen, unzählige christliche Gewerbtreibenden aber aus ihrem friedlichen Gewerbebetriebe und Familienleben in ein wüstes Partei-, Vereins- und Kneipenleben hineinzerrten und daran verhinderten, ihren Betrieb den Verhältnissen anzupasien, welche durch die rastlosen Fortschritte der Technik geschaffen worden sind. So haben diese Unheilstifter überall den Samen der Zwietracht und Unzufriedenheit gesaet; das hoffentlich noch zu verhindernde Aufgehen dieser Drachensaat würde dafür unwiderlegliche Beweise liefern, daß der Antisemitismus die Vorfrucht des Anarchismus ist! Diese Wahrheit wird und muß sich noch rechtzeitig offenbaren; wir dürfen deshalb die Lösung der ernsten Frage, wie dem Unheil zu steuern sei, welches der gesammten Volkswohlfahrt durch ein weiteres Wachsthum des Antisemitismus droht, — um mit Feodor Löwe zu reden — anderen berufenen Kreisen und einer späteren Zeit überlaffen. Inzwischen dürfte es sich aber zeigen, ob die Behauptung der „Staatsbürger-Ztg.", daß nur ihre Partei die sonst dem Einschlafen verfallende „Judenfrage" offen halte, zutreffend ist, oder ob das zeitweilige Liebäugeln anderer Parteien mit dem Antisemitismus erwarten läßt, daß diese die Judenhetze fortsetzen werden, wenn diese einmal aushören sollte, das zweifelhafte Vorrecht und die einzige Losung einer einzelnen politischen Fraktion zu sein. Wir aber dürfen uns weder durch das Treiben dieser Fraktion noch durch die ihr mitunter gewährte Aktionsfreiheit verbittern lasien, sondern muffen ruhig weiter Mitarbeiten an der allgemeinen Volkswohlfahrl, wo irgend unsere Mitarbeit nützlich undwillkommen ist, besonders aber an dem großen. Wer!e der Aufklärung und der allumfassenden Menschenliebe! Die Freudigkeit bei dieser Mitarbeit darf uns kein Sturm und keine Wolke rauben, denn dies sind nur vorüber-