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Im deutschen Reich · 1900-09-01 · Heft 9 (September 1900) · p. 482

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 9 (September 1900)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1900-09-01
Page
482 (sequence 5)
Language
German
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482 3m deutschen Reich. gehende Erscheinungen, aber das Licht ist unversieglich und unbesieglich! Diese ungestörte Hoffnung auf eine lichtvollere Zukunft darf uns aber nicht lässig machen in der Erfüllung der dringenden Pflichten der Gegenwart, die Hingebung an die Ausgaben im Dienste der Allgemeinheit nicht das Mitempfinden an allen Leiden verhindern, welche unsere Glaubensgenossen, sei es irgendwo im deutschen Vaterlande oder außerhalb desselben, wegen ihres religiösen Bekenntnisses oder wegen ihrer Abstammung zu erdulden haben. Je weniger der einzelne Jude durch das von dem Antisemitismus erzeugte Elend selbst bedrückt wird, desto mehr wird es ihm zur Ehrenpflicht, demjenigen Glaubensgenoffen beizustehen, welcher unschuldig darunter leidet. Mögen die religiösen Anschauungen, Sitten und Gebräuche noch so verschieden sein, eines ist allen Juden gemeinsam, eines ist nach dem Ausspruch Shakespeares „das Erbtheil ihres Stammes: Dulden"! Der deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens ist vor allem ein Deutscher, aber er gehört, wie die traurigen Erfahrungen der letzten Jahrzehnte leider bewiesen haben, auch der großen jüdischen „ L e i d e n s g e n o s s e n s ch a f t " an. Genau so wie das Herz des deutschen Katholiken erbebt bei den Berichten über die Martern, welche französische Missionare neuerdings in China erlitten, so blutet das Herz des deutschen Juden nicht nur bei den Mittheilungen über die in Westpreußen und Pommern unseren Glaubensgenoffen zu-- gesügte Unbill, sondern auch bei den Nachrichten von der entsetzlichen Behandlung, unter welcher die zahlreichen in Rumänien lebenden Juden seufzen. Dort das Leid zu lindern, so weit es in unserer Macht steht — das ist des Tages Pflicht, die sich nicht vertagen läßt! Damit ist aber nicht erschöpft, was die Gegenwart von uns verlangt; ffe erheischt, daß die deutschen Juden, welche die schwere Noth der Zeit gelehrt hat, den Nutzen gemeinsamen Vorgehens noch mehr als bisher erkennen und von dem Beispiel der Bekenner anderer Religionen lernen, „wohlzuthun Jedermann, zumeist aber an des Bundes Genoffen!" In der Eintracht liegen Schutz und Macht; alle Stände und Gruppen bilden jetzt notgedrungen Interessengemeinschaften, und wir sollten uns zersplittern und dadurch den Gegnern leichtes Spiel gewähren? Der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat sich im Laufe der verfloffenen sieben Jahre bewährt durch seine einigende Kraft; fast ohne jede lebhafte Werbung haben sich ihm Tausende angeschloffen und ihn zu einem Faktor gemacht, mit welchem bereits Feind und Freund

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