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Im deutschen Reich · 1900-09-01 · Heft 9 (September 1900) · p. 469

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 9 (September 1900)
Article
Berlin
Date
1900-09-01
Page
469 (sequence 4)
Language
German
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Kortefpoit&cnjcn. 469 uns gerichtete Aufforderung der Bonner Studentenschaft, eine Protest- Versammlung gegen die Konitzer Ereignisse zu veranstalten, wie sie in Bonn auf Veranlasiung der Verbindung in K. C. „Rheno-Silesia" und unseres Vereinsbruders Weinberg abgehalten wurde, lehnten wir in Uebereinstimmung mit den anderen V-J-St-en für diesen Zeitpunkt ab. Mit dem „Verein jüdischer Studenten zu Breslau" schlossen wir am Ende des Semesters ein Kartell ab, sodaß damit ein Bund der V. I. St-en Berlin, Leipzig, Breslau geschaffen wurde, der den Namen „Jüdischer Delegiertentag" (I. D. T.) tragen wird. Mit dem „Verein jüdischer Studenten zu München" unterhielten wir freundschaftlichen Verkehr; die Aufnahme deffelben in den I. D. T. erfolgt zu Beginn des nächsten Semesters. Außerdem wird am Anfang des nächsten Semesters an der Technischen Hochschule zu Charlottenburg gleichfalls ein „Verein jüdischer Studenten" gegründet werden. Der Verein zählte zu Beginn dieses Semesters 28 Aktive; hierzu traten im Laufe deffelben 11 neue Mitglieder. Außerdem gehören dem Verein 18 Alte Herren und 16 Inaktive an. Während des Semesters schieden 2 Mitglieder aus, sodaß die Gesammtzahl 71 beträgt. Auf dem Schlußkonvent am 25. Juli wurden zu provisorischen Chargierten für das nächste Semester gewählt: cand. med. Zwirn, stad. jur. Manheim, stad, pliil. Zlocisti, stad. jar. Presch zum Kassenwart und 8tad. pbil. E. Cohn zum Turn- und Fechtwart. Briese sind zu richten an E. Zlocisti, Berlin X., Straßburgerstr. 34." In der Nacht zum 3. September verschied im 64. Lebensjahre der Geheime Sanitätsrath Dr. Moritz Marcuse, der sich trotz seiner großen ärztlichen Praxis über zwanzig Jahre als Mitglied der Repräsentanten-Versammlung mit Eifer und Hingebung den Jntereffen der Gemeinde widmete, außerdem als Vorstandsmitglied vieler gemeinnütziger Vereine, wie des Ausschuffes des „D.-J. G.-B.", des Vereins „Jedide Jlmim", deS militärärztlichen Vereins u. a. m.. Hervorragendes leistete. Der Dahingeschiedene, welcher die Kriege von 1864, von 1866 und 1870/71 mitgemacht hat, erhielt s. Z. das Eiserne Kreuz und gehörte dem Sanitätsosfizierkorps als Oberstabsarzt erster Klaffe an. Es gehörte zu seinen angenehmsten Erinnerungen, daß er bei dem Eintritt in das Sanitätsosfizierkorps den bei der Eidesleistung in den fünfziger Jahren noch von den Juden geforderten Zusatz charaktervoll verweigerte und trotzdem zugelaffen wurde. Das große Gefolge bei seiner Beisetzung auf dem Friedhof der jüdischen Gemeinde zu Weißensee legte Zeugniß dafür ab, in wie weiten Kreisen das humanitäre Wirken des Verstorbenen dankbare Anerkennung gefunden hat. Nach der vom Rabbiner Dr. Maybaum gehaltenen Gedächtniß- 35

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