Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1900-09-01 · Heft 9 (September 1900) · p. 455

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 9 (September 1900)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1900-09-01
Page
455 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2316602-2316663-2316672--07130-2326673
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Umschau. 455 Sinne" ist in Wirklichkeit nichts Besieres als die von Ahlwardt, Pückler und Gen. verlangte „Entrechtung der Juden". Daß eine solche Einschränkung mitunter bereits gehandhabt wird, ist schlimm genug, aber selbst die „Post", welche darin noch mehr geleistet sehen möchte, fühlt, daß dies keine dauernde Erscheinung sein kann, denn sie schreibt in unbewußter Selbstironisierung: „Eine Partei, die unsere Zeitverhältnifle wieder zurückrevidieren will, hat einfach ihren Beruf verfehlt, denn alle gewordenen Zustände sind die Ergebnisie einer langsamen Entwickelung!" Den weltklugen Mitgliedern der freikonservativen Fraktion dürfte es nicht entgehen, daß ihr publizistisches Organ durch die Empfehlung des Raste-Antisemitismus auch die freikonservative Partei als eine rück, schrittliche erscheinen läßt und damit nur die deutsch-soziale Reformpartei fördert, nach deren Erbschaft die „Post" so lüstern scheint. Die „Neue Badische Landeszeitung" sagt deshalb: „Es wird sich ja wohl bald Herausstellen, ob die freikonservative Partei als solche die maßlos gehässigen Auslastungen der „Post" billigt. Bisher haben jedenfalls hervorragende Mitglieder der Partei, wie Freiherr v. Stumm, Herr von Tiedemann und — wenn man von einigen in der Hitze des Kanalkampfes gefallenen Aeußerungen absieht — auch Freiherr von Zedlitz es noch immer abgelehnt, dem Radau-Antisemitismus der deutsch-sozialen Reformpartei Gefolgschaft zu leisten. Herr von Tiedemann ist in Folge desten den gröbsten persönlichen Beschimpfungen, der „Antisemitischen Korrespondenz" des Herrn Liebermann von Sonnenberg ausgesetzt gewesen. Daß man auch an manchen „maßgebenden Stellen" neuerdings geneigt sein soll, dem Antisemitismus Konzessionen zu machen, erscheint uns angesichts des empörenden Verhaltens der Antisemiten und der antisemüischen Preste gegenüber den staatlichen Behörden in der Konitzer Mordaffaire, das ja auch zu einer Anklage gegen die „Staatsbürger-Ztg." geführt hat, noch viel weniger glaublich." Das Berliner Antisemitenblatt, welches den an Widersprüchen so reichen Artikel der „Post" mit jubelndem Trompetengeschmetter begrüßte, täuscht sich darüber auch nicht. Es widerspricht entschieden der ,^köln. Volkszeitung", welche einen Stimmungswechsel in den maßgebenden Kreisen als wahrscheinlich darstellt, und schreibt wörtlich: „Die oberen Kreise werden in solchen Fragen niemals die Führung übernehmen, wohl aber werden sie der Volksbewegung Rechnung tragen müsten, sobald diese mit der nöthigen Kraft einsetzt. Heute befinden sich in hohen Kreisen leider noch sehr viele Kostgänger des JudenthumS, die die maßgebenden Stellen in judensreundlichem Sinne zu beeinfluffen suchen. ES wäre total verfehlt, wollte der Anti- 34*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.