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Im deutschen Reich · 1900-09-01 · Heft 9 (September 1900) · p. 454

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 9 (September 1900)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1900-09-01
Page
454 (sequence 1)
Language
German
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454 haben die Antisemiten „strengster Observanz" gehofft durch die rücksichtsloseste Ausbeutung des Konitzer Mordes ihrer im Rückgang begriffenen Parteisache einen neuen Aufschwung zu geben. Sie sind schließlich, weil dieses Mittel sich gegen das Siechthum ihrer ' Partei als wirkungslos erwies, auf den uralten „orientalischen" Aberglauben verfallen, den Todesengel durch Umänderung des Parteinamens irreführen und bannen zu wollen. Es hat'dies aber nicht nur den Spott derjenigen wachgerufen, denen die Antisemiten so häufig die Sucht nach Namensänderungen zum Vorwurf machen, sondern sogar in den ihnen nahestehenden Kreisen die Ueberzeugung verbreitet, daß die deutsch-soziale Reformpartei auf einem absterbenden Ast sitzt. Die „Konservative Korrespondenz" gab der Meinung Ausdruck, daß das neue Firmenschild an den alten Verhältnissen nichts ändern und der Versuch, mit dem „deutsch-nationalen^ Köder im Trüben fischen zu wollen, gründlich fehlschlagen werde. Daß die Reformpartei auch unter anderer Firma keine Kunden mehr anlocken könne, schien der freikonservativen „Post" so sicher, daß sie sich in einem „Der Antisemitismus" überschriebenen Artikel schon zur Geschäftsübernahme anbot, die politische Entrechtung der Juden zwar als unmöglich bezeichnete, aber gleichzeitig das künftige Fortbestehen der Judenfrage voraussagte und den sich kräftig entwickelnden gesellschaftlichen Antisemitismus als das geeignetste Mittel darstellte, die ursprünglichen ' Ziele der deutsch-sozialen Reformpartei auf Umwegen zu erreichen. Die „Post" schrieb: „Der fraktionelle Antisemitismus bietet kein Endziel, dagegen wird sich mit jedem Tage mehr das Bestreben zeigen, der Judenheit ihre Minderheitsstellung anzuweisen und ihren Einfluß in einschränkendem Sinne zu regulieren." Wie die Dinge stehen, haben die Hintermänner der „Post" sich bereits in der Beschränkung derart als Meister gezeigt, daß der „verschämte" Antisemitismus die Juden oft mehr schädigt als der „unverschämte". Es kann kaum mehr schlimmer werden, weil beide antisemitischen Richtungen nicht' nur eine wehrlose Minderheit der Bevölkerung, sondern den gesammten Staat schädigen, der Lhatsächlich nur als Rechtsstaat im Stande sein wird, allen Stürmen der Zeit zu trotzen. Die von der „Post" erstrebte „Regulierung im einschränkenden

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