Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 9 (September 1900)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1900-09-01
- Page
- 456 (sequence 3)
- Language
- German
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456 3nt deutschen Reich. semitismus warten, bis die Hilfe von oben kommt." So denken und sprechen die offenen Antisemiten, welche weder aus ihrer judenseindlichen noch aus ihrer regierungsfeindlichen Gesinnung ein Hehl machen. Nachtheiliger ist uns der bemäntelte Antisemitismus der „Post", vielleicht auch das, was die „Akademischen Blätter" jüngst als „sporadischen Antisemitismus" bezeichnetenundinsbesondereder„Münch.Allg.-Ztg." zur Last gelegt haben. Als nämlich dieses angeblich „philosemitische" Blatt , bei einer Besprechung der Auswanderung rumänischer Juden zwar erklärte, daß ihm der Antisemitismus fremd sei, gleichzeitig aber die rumänischen Verfolgungen damit entschuldigte, daß gewisse Volkselemente „ein Krebsschaden am Dolksleib" seien, veranlaßte dies die „Akademischen Blätter" zu der Aeußerung: „Weshalb die „M. A.-Ztg." nicht grundsätzlich antisemitisch wird, vermögen wir nicht einzusehen." Die Wirkungen des verkappten Antisemitismus sind so unheilvoll, daß es in hohem Grade bedauerlich wäre, wenn das Bestreben Liebermann's, die durch die Quertreibereien der „Staatsbürger-Ztg." etwas getrübten Beziehungen zwischen dem Bund der Landwirthe und den Antisemiten wieder freundschaftlicher zu gestalten, sich erfolgreich erwiese. Er empfahl vor dem Magdeburger Parteitage in der „Antisemitischen Korrespondenz" ein Wahlkartell zwischen dem Bunde der Landwirthe, seiner Partei, den Christlich-Sozialen und den Konservativen, „wodurch der gegenseitige Besitzstand garantiert wird". Er meinte, das Ausdehnungsbedürfniß der kleinen Partei finde ein großes Feld der Bethätigung in den Wahlkreisen der Liberalen und Demokraten. Die konservative Partei sei im Allgemeinen zufrieden mit ihrem Besitzstände, und der Bund der Landwirthe werde im eignen Jntereffe gern behilflich sein, unzuverlässige Nationalliberale durch zuverlässige Antisemiten zu ersetzen. Die von Liebermann so übel behandelten Nationalliberalen dürfte eine solche Sammlung aller rückschrittlichen Elemente von allen antisemitischen Anwandlungen heilen. Die Deutsch-soziale Partei ist in Magdeburg durch Liebermann'sProgramm in zwei Lager gespalten worden. Nach stürmischen Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern Zimmermann's und Liebermann's, unter welchen Graf Reventlow in besonders heftiger Weise vorging, erklärte Liebermann, daß hinter ihm die Antisemiten in Westfalen, Rheinland, Kurheffen, Thüringen, Braunschweig und in der Nordmark standen. Nachdem das von Reventlow zu Gunsten Lieberwann's beantragte'Vertrauensvotum mit 85 gegen 76 Stimmen abgelehnt worden war, erfolgte der Austritt der Liebermann'schen Fraktion aus der Deutsch-sozialen Reformpartei. Unter dem Vorsitze Oswald Zimmer-