Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1900)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1900-10-01
- Page
- 546 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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546 Im deutschen Reich. Beifall). Gegen die Sozialdemokratie ist in den letzten Jahren überhaupt nichts unternommen worden. Man paktiert mit der Revolution; mit Revolutionären und schlechten Subjekten darf man aber nicht -paktieren. Man muß dekretieren: die Sozialdemokratie hat aufzuhören! DieFührer werden auf den Kopf geschlagen oder ausgewiesen, und damit ist die Sache zu Ende. Es werden vielleicht einige Sozialistenführer auf der Strecke bleiben. Aber was ist denn dabei? Dann liegen sie eben auf der Strecke. O b d e r Teufel ein paar Juden mehr holt, ist ganz Wurscht! (Großer Beifall.) Wir müssen die Nation einmal zur Ader lasten, erst dann kann das deutsche Volk wieder erstarken. Also bereiten Sie sich vor auf einen kräftigen Aderlaß, der kommen muß! Wir müsten ein ganz fidel es und vergnügtes Revolution chen von oben machen, sonst kommt die Revolution von unten, bei der noch mehr Blut fließen wird . . . Wir haben das große Ziel, daß wir die ganze Judenbande heraushauen werden aus Deutschland. Wir müsten den Sturm wagen. Christus selber wird vorangehen mit dem siegreichen Banner, Gott wird unsere That segnen!" So mögen die.Flagellanten im Mittelalter gedacht und gesprochen haben; in unserer Zeit kann dieser Wahnsinn, wenn auchMethode darin ist, den Juden weniger schaden als dem Christenthum, das er herabwürdigt, und der politischen Sache, der Graf Pückler zu dienen meint. Das ist sogar dem weltilugen „Vater des Antisemitismus", dem Hofprediger a. D. Adolf Stöcker, sonnenklar. Sein Leibvlatt, das „Volk", schreibt deshalb: „Gegen den Grafen Pückler ist von der Staatsanwaltschaft beim Berliner Landgericht I erneut Anklage wegen Aufreizung zum Klassenhaß erhoben worden. Wohl alle Christlich- Sozialen werden dies Vorgehen der Staatsanwaltschaft billigen. Denn d i e H e tz - und Brandreden dieses Mannes lassen sich g e w i tz nicht m i t dem christlichen Gebot der Nächstenliebe vereinigen und sind nur zu sehr geeignet, den gesunden Antisemitismus der Christlich- Sozialen, der sich gegen nichts als die Uebergriffe einer das Christenthum mit Hohn und Spott begeifernden, jüdischen Presse, jowie gegen die schädlichen Auswüchse auf geschäftlichem Gebiete richtet, in Mißkredit 31t bringen. Niemals richtet sich der Antisemitismus der Christlich-Sozialen gegen die einzelne Person, niemals appelliert er an die Gewalttätigkeit. So wenigstens sollte unser Antisemitismus beschaffen sein; nur so ist er mit rmserer christlichen Religion in Einklang zu bringen. Vom