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Im deutschen Reich · 1900-10-01 · Heft 10 (Oktober 1900) · p. 547

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 10 (Oktober 1900)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1900-10-01
Page
547 (sequence 5)
Language
German
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Vereinsnachrichten. 547 Pückler' fchen Antisemitismus muß man sagen, daß er direkt allem Christenthum zuwider ist. Gleichwohl können wir denjenigen Zeitungsstimmen nicht Recht geben, die sich leicht über Pückler's Agitationen hinwegsetzen und ihn als nicht ernst zu nehmender: „närrischen Kauz" hinzustellen belieben. Es geht doch nicht an, daß dieser Mann mit dem vornehmen Namen fort und fort Hunderte von Zuhörern in Aufregung und Leidenschaft versetzt u u b zu offener Gewaltthat gegen die Juden aufr.eizt. In England mag man alle möglichen „närrischen Käuze" reden lassen, was sie wollen. Wir in Deutschland wollen Ordnung und Gesetz und keine Unordnung und Gesetzlosigkeit." Schön gesagt! — wer aber keine Unordnung und Gesetzlosigkeit will, der darf auch nicht eine Bewegung der Volksmassen wachrufen, die sich gegen eine harmlose Minderheit richtet und dieselbe für alle Schäden verantwortlich macht, die auf ganz andere Ursachen und auf Urheber zurückzuführen sind, welche die Juden arglistig zum „Prügelknaben" zu machen wußten. Der Widerwillen Adolf Stöckels gegen die Dreschflegelreden ist wahrscheinlich aufrichtig empfunden, wird aber gewiß bei jedem Geschaftsantisemiten, der ehemals den judenfeindlichen Hofprediger bejubelte wie jetzt den aus gröberem Stoff gearbeiteten judenfeindlichen Bruder eines Hof - m a r f ch a l l s , nur die Empfindung Buttler's in Schillert „Wallenstein" wachrufen: Der einzige Unterschied ist zwischen eurem Und meinem Thun: Ihr habt den Pfeil geschärft. Ich Hab' ihn abgedrückt. Ihr sätet Blut Und steht bestürzt, daß Blut ist aufgegangen. I ch wußte immer, was ich that, und so Erschreckt und überrascht mich kein Erfolg. Uns erschreckt auch weder Stöcker noch Ahlwardt oder Pückler; das Judenthum hat weit größere Stürme überdauert als es jetzt umtoben und ist aus allen Prüfungen geläutert und neugekräftigt hervorgegangen. Wir sind aber nicht nur Juden, sondern auch Deutsche, und als solche bekümmert es uns, daß Bosheit und Dummheit die deutschen Kulturerfolge von Jahrhunderten verkümmern und Zustände schaffen, die man noch vor Kurzem als in unserer Zeit unmöglich betrachtete. Dagegen anzukämpfen, sollte nicht Sache der Juden allein, sondern aller guten Deutschen, aller edlen Menschen sein! Bis sie endlich empfinden, daß die so lange geduldete „Pücklerei" nicht nur uns empören, sondern auch ihnen die Schamröthe

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