Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1900)
- Article
- Konitz
- Date
- 1900-10-01
- Page
- 535 (sequence 3)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 535 Knaben geschlagen haben sollte, zu 500 Mk. Strafe verurtheilt. Tie Konitzer Strafkammer ermäßigte am 11. Oktober die Strafe auf 100 Mk. '— Den Synagogendiener Schnell, welcher mit Steinen geworfen worden war, sich dann mit einer Latte gewehrt und den Steinwerfer auf den Arm geschlagen hatte, war von dem Schlochauer Schöffengericht zu 14 Tagen Gefängniß verurtheilt worden. Die Konitzer Strafkammer hob am 11. Oktober das Urtheil aus und verhängte über Schnell nur eine Geldstrafe von 50 Mk. — Wie vertrauenswerth die Berichte der antisemitischen Blätter über die Konitzer Vorfälle sind, zeigte u. a. die aus Ca min datierte Mittheilung der „Staatsb.-Ztg.", nach der die' Kinder des dortigen jüdischen Händlers Landecker bei deffen Ueberführung in die Irrenanstalt (Landecker's Geisteskrankheit ist als die wahrscheinliche Folge einer antisemitischen Ausschreitung anzusehen) Aeußerungen hätten fallen lösten, die auf eine Mitwisterschast an der Konitzer Mordthat schließen lasten könnten. Die „Freisinnige Zeitung" berichtet: „Auf Grund ein gezogener Erkundigungen ist festzustellen, daß der s. Z. mißhandelte und jetzt geisteskranke Händler Landecker aus Camin weder jemals verheirathet gewesen ist, noch Kinder besitzt." — Am 5. Oktober erschien vor der Konitzer Strafkammer unter der Anklage des wistentlichen Meineids der Präparand Richard R ü ck w a l d genannt Speisiger, der am Nachmittag des 11. März, an welchem Tage Winter ermordet wurde, in Gesellschaft des letzteren gesehen worden sein soll. Aus diesem Anlaß, ganz besonders aber, um Auskunft zu geben, ob Winter mit dem Sohne des Fleischermeisters Lewy, Moritz Lewy, befreundet war, wurde Speisiger als Zeuge vor den Untersuchungsrichter geladen. Speisiger hat nun diesem eidlich bekundet, daß Moritz Lewy mit Winter näher bekannt war. Nachdem der junge Mann seiner Zeugenpflicht genügt, begab er sich in das Jelienewski'sche Lokal. Dort soll Speisiger mehreren Berliner Zeitungskorrcspondenten erzählt haben: es habe auf ihn den Eindruck gemacht, als seien dem Untersuchungsrichter gewiste Bekundigungen nicht erwünscht, denn dieser habe ihn, sobald die Sprache auf Lewy kam, heftig an gefahren. Diese Unterhaltung gelangte zur Kenntniß des Untersuchungsrichters. Speisiger wurde deshalb nach einmal zu dem Untersuchungsrichter geladen. Er soll nun eidlich in Abrede gestellt haben, daß er sich ungünstig über den Untersuchungsrichter geäußert habe» Da außerdem Moritz Lewy, Fräulein Tuchler und Fräulein Caspary eidlich bekundeten, daß Moritz Lewy nicht mit Winter bekannt war, wurde Speisiger wegen Verdachts des wistentlichen Meineids in Haft genommen. Die an sensationellen Zwischenfällen reiche Verhandlung endigte mit der LS*