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Im deutschen Reich · 1900-10-01 · Heft 10 (Oktober 1900) · p. 526

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 10 (Oktober 1900)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1900-10-01
Page
526 (sequence 7)
Language
German
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526 Im deutschen Reich. daß zwischen der radikalen Neformpartei und der deutsch-sozialen Partei und den antisemitischen Tivoli-Konservativen sich nun erst ein rechter Wetteifer in Bezug auf die Hetzarbeit entwickeln werde. Im Buhlen um die Gunst derer, welche nie alle werden, zeigt sich schon jetzt ein hitziger Eifer, der jeden unbefangen Denkenden eigentlich anwidern müßte. Der radikale Antisemit, Professor Dr. Förster, der in der ihm eigenthümlichen „länglichen" Redeweise in einer in Stettin veranstalteten Versammlung des „Deutschen Volksbundes" die jüdischen Kapitalisten für die „K o h l e n n o t h" verantwortlich machte, leistete dabei kaum mehr als die konservative „Schlesische Zeitung", welche stracks behauptete, daß das oberschlesische Kohlengeschaft von dem „Juden Friedländer" monopolisiert werde, trotzdem Friedländer Christ und daß außerdem längst durch einen offiziellen Bericht festgestellt ist, daß die fiskalischen Gruben nur einen kleinen Theil ihrer Produktion an Friedländer und Wollheim vergeben haben. Die „Schlesische Zeitung" macht auch keineswegs die hochgestellten Herren, welche den Hauptnutzen aus der Preissteigerung ziehen, für das „Raubgeschäst" verantwortlich, sondern einen angeblichen „galizischen Juden", der jenen Herren angeblich eifrig dient. Dazu bemerkt die „Voss. Ztg." sehr richtig: „Dasielbe „Raubgeschäft" läßt die Landwirthschaftliche HauptgenossenschafL betreiben, indem sie sich von den Gruben Kohlen verschafft und um den Schein des Cumulativdebits aufrecht zu erhalten, nicht auf der Grube zur Bahn verladen, sondern dort mit Geschirr abholen und auf der nächsten Bahnstation verladen läßt. Ist die Preisforderung von 94 Pf. pro Centner gegenüber den Großhändlerpreisen von 60 Pf. kein Wucher? Und für neue Przemsagruben Sekundaqualität, die höchstens mit 50 Pf. bewerthet wird, werden 70 Pf. gefordert. Vielleicht findet die „Schles. Ztg." hierin auch einen Lichtstrahl in den ihr dunklen Vorgängen des Kohlengeschäfts." Aehnlich urtheilt die „Breslauer Ztg." und die „Verl. N. Nachr." schreiben von der Landwirthschastlichen Genoffenschaft: „Also auch die Genossenschaft sucht sich auf Umwegen Kohlen zu verschaffen und scheut sich nicht, exorbitant hohe Preise zu nehmen!" Auch in Bezug auf die Auffrischung mittelalterlicher B l u t - beschuldigungen und judenhetzerischer Verwerthung aller Verbrechen, deren Urheber nicht sofort zu entdecken sind, wetteifern die feindlichen antisemitischen Brüder. Als kürzlich die Leiche eines wahrscheinlich durch Selbstmord aus dem Leben geschiedenen unbescholtenen Mädchens im Müggelsee aufgefunden

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