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Im deutschen Reich · 1900-10-01 · Heft 10 (Oktober 1900) · p. 527

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 10 (Oktober 1900)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1900-10-01
Page
527 (sequence 8)
Language
German
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Umschau. 527 wurde, ließ sich das einen Ableger der agrarischen „Deutschen Tageszeitung" bildende „Berliner Blatt" wie folgt vernehmen: „Der Rudersport ist eine Leibesübung vorzugsweise für jüngere Männer, und in Sportkreisen wird es daher sehr unliebsam empfunden, daß der Sport vielfach als „Nebenzweck" betrieben wird, denn selten sieht man jüdische „Sportsmen" ohne „Dame n" auf dem Wasier. An und hinter den Büschen lagern diese „galanten" Sportsherren am Ufer umher, und was auf der Friedrichstraße begonnen wird, das wird in Grünau und Treptow auf dem Wasier fortgesetzt. . . . Nach allem dem erscheint die von uns von vornherein gehegte Vermuthung durchaus begründet, und es würde sich nach unsrer Ansicht für die Polizei zunächst darum handeln, festzustellen, welche Segelboote am Sonntag die Müggel gekreuzt haben. Das dürste nicht schwer halten, da sie ja doch alle bei Grünau verankert sind. Wird hier in diesem Falle nicht mit fester Hand eingegriffen, so dürsten sich die „r ä t h s e l h a f t e n M ä d ch enlei ch e n - F u n d e" im Wasier in Zukunft erschreckend mehren." Das Hamburger „Deutsche Blatt", hinter dem die beiden antisemitischen Bürgerschastsmitglieder Raab und Schack stehen, ließ sich von einem Herrn W. schreiben: „Von meinem Schwager, der in I a st r o w in Westpreußen lebt, wurde mir erzählt, daß im Jahre 1893 ein Jude ein junges Mädchen bereits auf die Schlachtbank geschnallt hatte, um dasielbe zu ermorden. Durch einen Zwischenfall jedoch wurde der Jude genöthigt, das Zimmer zu verlasien. Das junge Mädchen fand Gelegenheit, ihre Fesieln zu lösen und konnte durch daS Fenster entweichen. Auf Anzeige des jungen Mädchens soll der Jude wegen Mordversuchs mit 10 Jahren Zuchthaus bestraft worden sein und vor Gericht zu seiner Entlastung ausgesagt haben: „Der Talmud schreibt mir den Mord vor." Ter Vorstand der Jastrower Synagogen-Gemeinde berichtete, daß, wie die dortige Polizeiverwaltung bestätigen werde, ein derartiger verbrecherischer Versuch niemals vorgekommen, die ganze Geschichte vielmehr vollständig e r f u n d e n ist. Als am 18. September in der Nähe des bayrischen Ortes Untermalzhofen bei Pappenheim die Leiche des seit dem 26. Juli vermißten zweijährigen Knaben Fritz Psister gefunden wurde, fanden sich auch sofort Leute, die von einem „Ritualmord" sprachen. Hoffentlich gelingt eS aber der angestrengten Thatigkeit der bayrischen Gerichtsbehörden, über diese Sache Klarheit zu schaffen, ehe sie von den Geschäftsantisemiten in der bei ihnen üblichen Weise ausgebeutet wird. Gerade bei den Blutbeschuldigungen und Ritualmord-Legenden zeigt sich der internationale Charakter der Antisemiten am deutlichsten.

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