Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1900-10-01 · Heft 10 (Oktober 1900) · p. 524

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 10 (Oktober 1900)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1900-10-01
Page
524 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2316602-2316663-2316673--07258-2326526
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

524 Im deutschen Reich. Haschen nach einem ReichstagsmandaL für seinen Herausgeber. Trotzdem die bezüglichen Versuche W. B r u h n ’ § in Aurich schaurig mißglückt sind, läßt er sich von seinen Freunden Werner-Kassel und Böckler-Schöneberg als Kandidat der Antisemiten bei der im Kreise Meseritz-Bomst bevorstehenden Reichstagsersatzwahl ausstellen, gefährdet dadurch die konservative Kandidatur und verbessert trotz seiner angeblichen „deutsch-nationalen" Gesinnung die Aussichten des polnischen Kandidaten Dokowicz. Das persönliche Interesse gilt dem Blatte mehr als das der Partei, deshalb hütet es sich, für eine der beiden Fraktionen der antisemitischen Partei einzutreten. Dies Lavieren wird bald zur Unmöglichkeit werden, schließt außerdem auch nicht aus, daß die Kandidatur Bruhn im Kreise Meseritz-Bomst durch antisemitensreundliche Blätter („Post", „Tägl. Rundschau" u. a. m.) als ein grober taktischer Fehler erklärt wird. Die auf dem Magdeburger Parteitag erfolgte Auseinandersetzung, welche durchaus nicht „schiedlich-sriedlich" gewesen ist, zwingt alle antisemitischen Parteigänger, nachträglich Farbe zu bekennen. Dabei wird voraussichtlich viel schmutzige Wäsche gewaschen werden. Mit geradezu rührender Offenherzigkeit bekennt bereits die antisemitische .„Hallesche Reform": „Wir hätten am liebsten geschwiegen, da eine cklare Uebersicht die Sachlage noch nicht bietet, und es nicht zu umgehen ist, hier und dort anzuecken. Soviel steht jedoch jetzt schon fest, daß wie in allen Parteien auch in der antisemitischen Feigheit, Eigennutz, Dünkel und Streberthunr mit der Dummheit um die Siegespalme streiten". Das „Anecken" scheint bereits für die jetzigen Reibereien unter den Antisemiten zum technischen Ausdruck geworden zu sein. Nachdem Zirnmermann's „Deutsche Wacht" die „Deutsch- Sozialen Blätter" beschuldigt hatte, „ungeschliffene Aneckungen" verübt zu haben, entgegnete das Organ Liebermann's schleunigst, daß die Ancckungen zuerst von der Reformpartei ausgegangen seien, welche wiederholt die „Deutsch-Sozialen Blätter" und alle Anhänger Liebermann's als Friedensstörer behandelt und „secessionistisch" genannt habe. Die durch das Ausscheiden Liebermann's vollständig in's Fahrwaffer des Radikalismus gerathene deutsch-soziale Reformpartei unter Zimrnermann's Führung hat zunächst Oöerwaffer. Mit gehobenem Muthe erklärte deshalb auf der Hauptversammlung der Reformpartei im Königreich Sachsen Oswald Zimmermann am 30. September: „Wenn aber der Fehdehandschuh uns hmgeworfen würde, von welcher Seite es auch sei, dann würden wir mit allem Nachdruck den Kampf aufnehmen" und Klemm-Burgstädt, ein anderer hervorragender sächsischer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.