Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1900)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1900-10-01
- Page
- 522 (sequence 3)
- Language
- German
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522 Im deutschen Reich. bezeichnen wagte, däß der PrivatdozenL Dr. Georg Puppe, dessen Gutachten auf die Richter Jsraelski's durch Bestimmtheit und Klarheit den Eindruck vollständiger Richtigkeit machte, zum gerichtlichen Physikus für die Stadt Berlin ernannt wurde. Aehnlich erging es dem Realschuldirektor Dr. Hacks, dessen bei dem Festmahl zur Einweihung der neuen Kattowitzer Synagoge gehaltene, von vorurtheilsfreier und duldsamer Gesinnung zeugende Rede sofort von der Antisemitenpresse auf eine angebliche Bewerbung um eine Direktorstelle in Frankfurt a. M. zurückgeführt wurde. Die systematische Verunglimpfung aller Männer, welche Charakter genug haben, sich nicht zu Werkzeugen antisemitischer Volksaufwiegelung zu machen, wirkt leider auf viele Leute einschüchternd. Nachdem der Oberlehrer Dr. Hosrichter, welcher die Sympathie der „Staatsbürger- Zeitung" im hohem Grade erworben hatte, von Könitz versetzt worden, verlautete plötzlich, daß der von den Antisemitenblättern mehrfach angefeindete Professor Dr. Prätorius an das Kgl. Gymnasium zu Graudenz versetzt und durch den dortigen Oberlehrer Profesior Dr. Rehdaus in Könitz ersetzt werden solle. Triumphierend berichtete bald darauf die „Staatsbürger-Zeitung", daß eine zu Gunsten seines Verbleibens in Könitz umhergeschickte Petition nur sieben Unterschriften erhalten habe. Wäre dies begründet, so müßte man (s als einen Erfolg der Terrorisierung ansehen, welche von antisemitischer Seite fortwährend in der westpreußischen Stadt geübt wird, ohne daß sich der gebildete Theil der dortigen Bevölkerung gegen diese jämmerliche Bevormundung auflehnt, denn in der am 22. September abgehaltenen Generalversammlung des Bürgervereins ist nach dem hierbei gewiß unverdächtigen Zeugniß des stark antisemitisch angehauchten „Konitzer Tageblattes" die Wegberufung des Mitbegründers und langjährigen Leiters jenes Vereins öffentlich beklagt worden. Der stellvertretende Vorsitzende des Bürgervereins rühmte dabei dem Professor Dr. Prätorius nach, daß er den Verein mit nie versiegender Liebe gehegt und gepflegt habe, daß er mit unermüdlichem Eifer für die nur auf das Gemeinwohl gerichteten Ziele des Vereins thätig gewesen sei. Durch eigene feffelnde Vorträge wiffenschaftlichen Inhalts, durch gelegentliche Heranziehung auswärtiger Gelehrter zu Demonstrations-Vorträgen, durch Pflege und Ausgestaltung der reichen Vereinsbibliothek sei Prätorius unausgesetzt bemüht gewesen, belehrend und veredelnd auf die Mitglieder zu wirken. Die Generalversammlung beschloß darauf einstimmig, den Professor Dr. Prätorius zum Ehrenmitglieds und Ehrenvorsitzenden zu ernennen und ihm als ein äußeres Zeichen innigen Dankes ein Andenken zu widmen. Den