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Im deutschen Reich · 1900-10-01 · Heft 10 (Oktober 1900) · p. 513

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 10 (Oktober 1900)
Article
Die Juden in Italien
Date
1900-10-01
Page
513 (sequence 8)
Language
German
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Die Juden in Italien. 513 Gesetze bei. Aber die Gesetze öffnen nur die Straße. Das Wichtige und Schwierigere dabei ist, sie in einer Weise cinzuschlagen, daß man das Ziel erreicht. Bei uns kann man Divisionsgeneral werden wie Ottolenghi, aber man muß dazu im Frieden und Krieg die Einsicht und Tapferkeit bewiesen haben, welche nöthig sind, um ein Heer zu befehligen. Man kann im Auswärtigen Amt emporsteigen und bei allen parlamentarischen Wechselfällen unbeweglich Generaldirektor der auswärtigen Politik bleiben wie Malvano, muß aber dazu dreißig Jahre hindurch nicht nur das Vertrauen, sondern auch die Bewunderung der europäischen Diplomatie erlangt haben. Man kann zu den höchsten Gipfeln der Regierung und des Parlaments emporsteigen wie Luzzatti, aber man muß von der frühesten Jugend an durch Verstand und Gelehrsamkeit die hervorragenden Männer seiner Zeit in Erstaunen versetzt und dann das ganze Leben hindurch in der Kammer, auf dem Katheder, in der Preffe gekämpft haben und als Fürst in den sozialen Wissenschaften von denjenigen Nationen anerkannt sein, welche die ersten in den Fortschritten des Denkens und der Arbeit sind. Alle diese von mir genannten Persönlichkeiten, denen man andere anschließen könnte, falls die Abhandlung nicht Kürze erheischte, ernteten herrliche Früchte. Doch hatten sie selbst sie gesäet und es verstanden, dieselben mit einer erstaunlichen Kraft von Glauben, Muth, Ausdauer, Mühen und Opfern zu pflegen. Den Israeliten im allgemeinen fehlte es niemals und fehlt es auch heute nicht an Takt, an Zartgefühl, an Rücksichten bei Annahme der Ehrungen oder der Stellungen, die man ihnen anbietet, oder bei der Ausübung der damit verbundenen Pflichten. Man kann an bemerkenswerthe Beispiele erinnern, als Zeugnisse für ihre Klugheit uud Einsicht. Nachdem kaum Italien von Rom Besitz genommen hatte, und als die Regierung zur Einziehung und Theilung der Kirchengüter schreiten mußte, ward unter Viktor Emänuel zum ersten Male das Portefeuille der Finanzen einem Juden, dem Deputierten Pesaro Maurogonato angeboten. Dieser widerstand der Aufforderung des Königs sowie dm Bitten des Ministerpräsidmten Minghetti; er lehnte ab, und niemand erfuhr die Gründe seiner hartnäckigen Weigerung. Erst als Maurogonato todt war, veröffentlichte der Deputierte Pascolato, Katholik und

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