Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1900)
- Article
- Die Juden in Italien
- Date
- 1900-10-01
- Page
- 512 (sequence 7)
- Language
- German
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512 deutschen Reich. liche Mittelpunkte des Judenthums, nicht einmal im kleinen. In Sardinien, wo nran die Anregungen und Gesetze von Piemont aus erhielt, ignoriert man das Vorhandensein von Juden; da leichte und dauernde Berührungspunkte mit ihnen fehlen, so sind keine Gründe vorhanden, um sie zu lieben oder zu hasien. In Sizilien, wo man den Ueberlieferungen, den Beispielen und Sitten Neapels folgte, mögen israelitische Familien hier oder dort Wohnsitz nehmen; aber, was die Allgemeinheit anlangt, so wird ihre Gegenwart nicht bemerkt, abgesehen etwa wegen eines Namens, desien Bedeutung man nicht versteht. . Diese kurze, doch unverfälschte Uebersicht legt in großen Linien die wahren Verhältniffe dar. in denen sich die Israeliten Italiens befinden. Doch ist eine Beobachtung vom allgemeinen und höheren Standpunkt aus hinzuzufügen, um zu erklären, wie und warum es sehr schwer sein dürfte, daß die unselige Pflanze des Antisemitismus bei uns Wurzel fasse. Italien ist nicht, wie fast alle großen Nationen, dem Willen, den Launen und nicht einmal dem ununterbrochenen Einfluß der Hauptstadt unterworfen. Bei uns lebt jede große Stadt ihr eigenes Leben, denkt mit dem eigenen Kopfe, fühlt mit dem eigenen Herzen. Je mehr die Verwaltung in Rom centralisiert wird, um so mehr wird die Decentralisierung des öffentlichen Geistes bestimmt und angespornt. Angenommen, Nom würde Herd des Antisemitismus, so könnte man sicher sein, Florenz, Mailand, Turin und Venedig würden, auch wen» sie die schändliche Bewegung im Herzen billigten, weit davon entfernt, ihr zu folgen, sich gegen dieselbe auflehnen. Oder wenn irgend eine andere Stadt das scheußliche Banner erhöbe, so würden die Schwesterstädte sie allein lassen, d. h. zur Niederlage verdammen. Aber diese so glückliche Stellung der Juden Italiens, im Vergleich zu derjenigen anderer, älterer, mächtigerer und nicht minder gesitteter Staaten, verdankt man verschiedenen Umständen, welche hervorgehoben werden müssen, zum Beispiel für andere Nationen und auch zur Lehre für uns für die Zukunft. Vor allem ist anzuerkennen, daß, wenn sich die Juden in Italien dieser Lage erfreuen, sie sich rühmen können, daß sie es verstanden haben, sich «ine solche zu verdienen. Zweifellos stehen uns in Italien die