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Im deutschen Reich · 1900-10-01 · Heft 10 (Oktober 1900) · p. 511

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 10 (Oktober 1900)
Article
Die Juden in Italien
Date
1900-10-01
Page
511 (sequence 6)
Language
German
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Die Juden in Italien. 511 in der die Bourbonen ihre Unterthanen erhielten, bewirkte, daß die Neapolitaner in ihrer ganz überwiegenden Mehrheit sich des Vorhandenseins der Juden nicht erinnerten, nichts davon erfuhren, nichts davon lasen oder cs nicht begriffen. Da die Priester, welche das Gewiffen der Massen beherrschten und wenig gebildeter als diese waren, keine Juden um sich gesehen hatten oder keine solchen sahen, hatten sie auch keinen Grund, keine Gelegenheit und keine Mittel, sie dem Haß und der Verachtung der Massen preiszugeben. So ging cs eine lange Reihe von Jahren unter fortwährendm Revolutionen, bis die glückliche, erneuernde Morgendämmerung von 1660 anbrach. Nach diesem Zeitpunkt dauerte es nicht lange, bis die Israeliten in verhältnißmäßig großer und stets wachsender Zahl nach Neapel strömten. Doch gingen die meisten dorthin, um am Orte Handel anzusangen oder Verkehrswege mit den anderen Provinzen anzubahnen oder um sonst ihr Glück zu machen, das sie in ihren Heimaths orten nicht gesunden haben. Sie verleugneten ihren Glauben nicht, aber sie verschwiegen ihn. Und aus diesem Grunde und wegen dieser Führung blieb ihr Glaube, wie er es vorher gewesen war, der großen Mehrzahl der Bürger unbekannt. Und selbst heut zu Tage, wo die Kolonie sich erweitert hat, wo sie ein kleines Betzimmer, eine Verwaltung, einen Kirchhof besitzt, wo sie in beschränktem Maße den Kultus ausübt und eine Persönlichkeit hat, die als Rabbiner funktioniert, beschäftigt sich die Allgemeinheit der Neapolitaner nicht mit dieser Kolonie weder in gutem noch in bösem Sinne, weil sie von ihrem Leben nichts weiß oder nichts versteht, oder es auch weder in dem einen noch dem anderen Sinne schätzt. Es würden noch die Inseln übrig bleiben, aber für sie genügt eine kurze Bemerkung. Sowohl auf Sizilien als auf Sardinien sind, ^was dm ständigen Wohnsitz von Familien anbetrifft, Israeliten spärlich vertreten. Auf beiden Inseln haben sie dadurch vom Festlande aus industrielle Interessen von gewaltigem Umfange geschaffen, daß sie die erstaunlichen örtlichen Hilfsquellen der reichen Ackerbauproduktion und des nicht minder reichen Bergwerkbetriebes ausnutzen. Doch aus diesm Gründen und bei solchen Zwecken bilden sich weder in Palermo noch in Catania, weder in Cagliari noch in Sassari wirkliche und eigent-

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