Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 8 (August 1900)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1900-08-01
- Page
- 429 (sequence 5)
- Language
- German
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Oereinsnachrich Len. 429 Abfassung gerichtlicher Entscheidungen zu veranlassen. An Bestrafungen ist weniger gelegen als an der Verbreitung der allgemeinen Ueberzeugung, daß jeder einzelne deutsche Jude sich gegen die geringste Kränkung seiner Manneswürde wehrt und sein Recht furchtlos vertheidigt. Die Juden sind in Deutschland nicht geduldete Gäste, sondern vollberechtigte Staatsbürger, und wer uns dies offen oder auf Umwegen streitig macht, begeht schnöden Rechtsbruch. Jede Vergewaltigung einer wehrlosen Minderheit untergräbt aber die Stützen des Staats; der Wühlarbeit der antisemitischen Anarchisten gegenüber gilt die ernste Warnung Schillers: „Der Staat muß untergehen, spät oder früh, wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet!" Nach langen Leiden verschied am 15. Juli unser langjähriges Vereinsmitglied, Geheimer Sanitätsrath Dr. Samuel Kristeller, deffen gemeinnütziges Wirken aus Anlaß seines 80. Geburtstages im vorigen Hefte dieser Zeitschrift eingehend geschildert worden ist. Der Dahingeschiedene hat sich nicht nur als Vorsitzender des „Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes", sondern auch durch seine vielseitigen Bestrebungen, die ethischen Ideen des Judenthums zu verbreiten, um das letztere wesentlich verdient gemacht. — Am 19. Juli erlöste ein sanfter Tod von schweren Leiden den Mitbesitzer der Buchdruckerei- Firma Emil Billig Nachf., Heinrich Horwitz, der ebenfalls unserm Verein seit der Begründung deffelben angehörte und durch seine eifrige Thätigkeit bei der Herstellung des Vereinsorgans unsere Bestrebungen gefördert und sich alle Zeit als ein treuer Mitstreiter für unsere Sache erwiesen hat. — Am 28. Juli d. I. ist abermals ein verdientes Mitglied des Central-Vereins, der erste Vorsteher der Synagogen-Gemeinde Marien bürg, Dr. A. Pineus, hier in Berlin vom Tode ereilt worden. Der siebzig Jahre alte Herr, der sich auf der Durchreise nach seinem Wohnorte befand, brach bei einer Wanderung durch den Zoologischen Garten in Berlin plötzlich zusammen und wurde nach der im Garten befindlichen Unfallstation gebracht. Hier starb er nach kurzer Zeit, wahrscheinlich an einem Herzschlag. Der Verstorbene, der lange Jahre als Arzt der Allgemeinen Ortökrankenkaffe in Marienburg thätig war, hat, wie die Vorsteher und Repräsentanten der dortigen Synagogen - Gemeinde in dem am 1. d. MtS. veröffentlichten Nachruf rühmend hervorheben, durch sein hervorragendes Wirken sich um diese Gemeinde unvergeßliche Verdienste erworben. Unserm Vereine widmete der Dahingeschiedene stets ein warmes Jntereffe, welches er u. a. dadurch kundgab, daß er in dieser Zeitschrift im Januar 1898 eine