Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 8 (August 1900)
- Article
- Berlin
- Date
- 1900-08-01
- Page
- 411 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316663-2316671-2326261--07016-2326370- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Korrespondenzen. 411 in W e st preußen in Scene gesetzten Judenhetze dem dortigen Deutschthum zugefügt werden. Wie vielfach in Böhmen, theilweise in der Provinz Posen, so sind auch in Westpreußen die Juden Träger und Erhalter der deutschen Sprache und Kultur gegenüber den Polen. Jetzt werden nicht nur Ln Könitz, sondern auch in anderen Orten Westpreußens immer mehr Juden wegzuziehen genöthigt, und ein Haus nach dem andern, ein Grundstück nach dem andern geht in polnische Hände über. Und da reden die Rasseantisemiten von deutsch-nationaler Gesinnung, die ihnen in besonderer Weise eigen sei! Im Begriff, auf diese Thatsache öffentlich hinzuweisen, erhalte ich von einem hohen Beamten Westpreußens eine dies bestätigende Zuschrift. Der Verfaffer klagt zuerst darüber, „daß die den gebildeten Ständen angehörenden Herren in Könitz, meist Männer von akademischer Bildung, es für recht hielten, als freiwillige und recht lästige Untersuchungskommiffare in der Mordsache zu fungieren und antisemitische Erregung unter das Volk zu tragen." Die durch die antisemitischen Unruhen verursachten Schädigungen sind ganz bedeutend. Außer den jetzt schon fühlbaren wirtschaftlichen und materiellen Nachtheilen wird man binnen kurzem auch Schaden in nationaler Hinsicht konstatieren können. An Stelle der Juden, die in den letzten Jahren zu den Deutschen in der zweisprachigen Provinz gehalten haben, werden fast ausschließlich Polen treten. Wenn die Antisemiten fortfahren werden zu rufen „der Jude wird verbrannt", so wird man wenigstens wiffen, was man von ihrer deutschen Gesinnung zu halten hat." Dem von dem Oberstaatsanwalt in Marienwerder gegen die „Germania" gestellten Strafantrage haben sich nunmehr der Präsident des dortigen Landgerichts und der Regierungspräsident sowie der Polizeipräsident von Berlin angeschloffen. Es handelt sich um Artikel der „Germania" über den Konitzer Mord, die Beamtenbeleidigungen enthalten sollen. — Die „M arkische Volkszeitung" reproduziert einen tendenziösen Bericht des „Westpr. Volksblattes" über „vier Skelettsunde auf jüdischem Grundbesitz", in welchem u. a. gesagt wird: „Diese Vorfälle muffen in der ganzen christlichen Bevölkerung die denkbar größte Beunruhigung Hervorrufen, umsomehr als man bisher auch noch nicht in einem einzigen Falle davon gehört hat, daß von der Staatsanwaltschaft eine Untersuchung eingeleitet worden, oder daß die etwa durch die Polizei angestellten Ermittelungen irgend welches Ergebniß gehabt hätten." Dazu bemerkt die „Markische VolkSzeitung": „Wir find 30-